Deutschland boykottiert EU-Parlament: Unsere
Mütter sollen arbeiten!
Das
Europäische Parlament hat gestern mit großer
Mehrheit für eine Ausdehnung des Mutterschutzes
von 14 auf 20 Wochen bei vollem Lohnausgleich
gestimmt. Deutschland hat sich im Vorfeld
bereits dagegen ausgesprochen und stellt sich
weiter quer. Deutschland? Die Bürger, die Mütter
und Väter, sind hier sicher nicht gemeint,
sondern unsere Politiker und die globalisiert
ausgerichteten Arbeitgeberverbände. Und nun geht
auch das feministische Kampfgeschrei los.
Ausgerechnet Anti-Mütter wie die Vizepräsidentin
des Europäischen Parlaments, Silvana
Koch-Mehrin, bezeichnen die Entscheidung als
völligen Unsinn. Die Hürde für Frauen, auf den
Arbeitsmarkt zu gelangen, sei jetzt deutlich
höher, zetert die Abgeordnete von der FDP. Vor
allem in kleinen und mittelständischen
Unternehmen bestünde das Risiko, dass Männer bei
der Jobvergabe bevorzugt werden, fürchtet die
Dreifach-Mutter, die in abendlichen TV-Talkshows
nicht selten stolz hervorhebt, ihre wenige
Monate alten Kinder bereits in die Krippe
gegeben zu haben. Und die ein Buch schrieb, in
dem sie forderte, Deutschland brauche mehr
Rabenmütter, Rabenmütter seien klasse!
Frau Koch-Mehrin, die uns Deutsche im
Europa-Parlament vertritt, ist der kurzsichtige
volkswirtschaftliche Nutzen der erwerbstätigen
Frau wichtiger, als die gesunde und liebevolle
Entwicklung eines kleinen Kindes, das später ja
auch in den globalisierten Arbeitsprozess
eintreten und für alle mitschaffen soll;
übrigens für unzählige Alte sollen unsere immer
weniger werdenden Kinder einst sorgen müssen.
Hallo? Denkt darüber vielleicht langsam mal ein
Politiker nach? Längst ist durch weltweite
wissenschaftliche Untersuchungen klar, dass der
Erfolg und die Belastbarkeit eines Menschen in
seinen frühen Kinderjahren entschieden werden.
Hat sich das denn immer noch nicht bei Euch da
oben herumgesprochen? Wer in Babyalter und
Kleinkindzeit selbstbewusst und stabil gemacht
wird durch ausreichende mütterliche Zuwendung,
wird später entscheidend leichter seine »Frau
und seinen Mann stehen«. Mal abgesehen von einem
bei uns ohnehin völlig falschen
Mutter-Kind-Arbeitsplatz-Gefüge können wir doch
nicht bis zum steilen Absturz die Augen weiter
verschließen. Aufwachen, Ihr Politiker in
Deutschland und Europa: Braucht Ihr immer noch
weitere Beweise, die Ihr beharrlich weiter
ignorieren könnt? Bitteschön, es gibt sie
zuhauf, diese
weltweiten Untersuchungsergebnisse. Die
kaltschnäuzige Ignoranz der Politiker, die über
unsere Schicksale entscheiden, wird für uns alle
und für unsere Zukunft immer ärgerlicher und
gefährlicher. Sie tun einfach so, als gäbe es
weder die weltweit anerkannte Bindungs- und
Säuglingsforschung, noch interessiert es sie
einen feuchten Kehricht, wie sich die kleinen
Kinder in überfüllten Krippen bei häufig völlig
überfordertem Personal fühlen und entsprechend
entwickeln. Hauptsache, die Mütter wimmeln kurz
nach der Entbindung zurück in die
Erwerbstätigkeit, welche längst zum Goldenen
Kalb der modernen Globalgesellschaft erhoben
wurde. Schaut doch endlich genauer hin, macht
die Augen auf: Vor wenigen Monaten wurde in
Amerika gerade wieder eine
ungewöhnliche Studie veröffentlicht. 30
Jahre lang lief sie, ähnlich wie die langfristig
und fundiert angelegte Regensburger
Längsschnittstudie des Ehepaars Grossmann
oder die renommierte
US-NICHD-Studie. Zurück zu der neuen Studie
der Duke Universitiy: In den frühen
1960er-Jahren hatten US-Wissenschaftler, allen
voran Joanna Maselko, untersucht, wie 500
US-amerikanische Mütter mit ihren acht Monate
alten Kindern umgingen. Es wurde vor allem das
Ausmaß der Zärtlichkeit bemessen, also, wie
lange und wie intensiv sich die eigenen Mütter
ihren Babys zuwendeten. Ziel sollte sein, die
Frage zu beantworten, welche Auswirkungen auf
das gesamte weitere Leben diese Zuwendungen von
Mama wohl hätten. Mehr als 30 Jahre später
befragten sie die nunmehr Erwachsenen zu ihrem
Wohlbefinden – und entwickelten psychologische
Profile.
Das Ergebnis fiel aus, was bislang alle
ernstzunehmenden Studien beweisen, und es sollte
nicht nur Frau Koch-Mehrin und alle übrigen
berufserfolgsorientierten Feministinnen endlich
interessieren, sondern vor allem auch unsere
kinderlosen Bundesfamilien- und
Bildungsministerinnen: Diejenigen, die als Babys
mit mütterlicher Zärtlichkeit überhäuft wurden,
sind 30 Jahre später weniger unglücklich als
diejenigen, die weniger oder kaum Zärtlichkeit
erhielten. Nicht einmal Konflikte innerhalb der
Familie konnten den Effekt der mütterlichen
Wärme aufheben.
Intensive mütterliche Zuwendung sorgt dafür,
dass Bindungen gefestigt werden, betont
Studienleiterin Joanna Maselko. Sie hilft den
Kindern, ein erfolgreiches Leben zu führen,
sozial zu werden, Verantwortung zu übernehmen
und Eigenschaften kopieren zu lernen, die ihnen
als erwachsene Menschen privat wie auch
beruflich nützen. Schon früh werden bei
ausreichender mütterlicher Betreuung die
sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten des
jungen Menschen entwickelt, stabilisiert und
verankert. Warum will man unseren Kindern also
nicht wenigstens einen erweiterten Mutterschutz
zugestehen, wenn man ihnen durch den politisch
beschlossenen Krippenausbau auf 750.000 Plätzen
ohnehin ihre Mamas schon entfremdet hat? Warum
nicht wenigstens diese wenigen Wochen am Anfang?
Sind die Zusammenhänge eigentlich wirklich so
schwer zu verstehen? Oder ist der Blick unserer
Politiker vor lauter Verstandesdenken und
Bildungsanspruch, vor lauter Erwerbstätigkeit
und Selbstverwirklichung inzwischen gänzlich
verstellt? Sind sie am Ende gar nicht mehr in
der Lage, das menschlich Wichtigste zu erkennen?
Finden wir hier die Ursachen dafür, dass sich
das Verständnis wie auch das Verhältnis zwischen
Volk und Politikern in affenartiger
Geschwindigkeit dividiert? Die Mütter brechen
inzwischen unter den Lasten von Familie und
Erwerbstätigkeit zusammen, aber sie müssen ran,
sonst reicht das Geld nicht! Den Politikern ist
das wurstegal.
Auch viele Arbeitgeber klagen nun noch lauter.
Die Arbeitgeberverbände fürchten vor allem eine
drohende Kostenexplosion. Doch waren es vor
allem auch sie, die in den vergangenen
Jahrzehnten alles dafür taten, Frauen in die
Berufstätigkeit zu holen, die inzwischen für
jeden zur Gesellschaft gehören wollenden
Menschen unabdingbar ist, oder? Doch Politiker
wie Arbeitgeber scheinen völlig aus dem Blick
verloren zu haben, dass es nun einmal die Frauen
alleine sind, die Kinder bekommen können. Leute,
die Rechnung geht doch schon längst nicht mehr
auf! UNS FEHLEN KINDER! Deutschland weist
europaweit die niedrigste Geburtenrate auf.
Kinder sind keine Bereicherung mehr, sondern sie
sind zum Problem für erwerbstätige Mütter
geworden, auf deren Schultern alle Lasten
getragen werden müssen. Die nicht selten mit
blutendem Herzen frühmorgens ihre Babys bei
fremden Leuten abgeben, um Geld zu verdienen und
dazuzugehören. Die sich inzwischen hundertmal
vorher überlegen, ob sie sich diesen Stress
wirklich antun sollen, ebenso wie die Männer.
Familie? Ist zum Auslaufmodell geworden. Wie in
China. Oder in der ehemaligen Sowjetunion. Oder
bei Margot Honecker!
Kaum sollen die Arbeitgeber sich jetzt an den
Zusatzbelastungen beteiligen, gibt es erneut
einen Riesenaufschrei: »Angesichts angespannter
Staatshaushalte und einer erst langsam wieder
wachsenden Wirtschaft setzt das EU-Parlament die
falschen Prioritäten«, sagt der Präsident des
Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto
Kentzler, zu dem Beschluss des EU-Parlaments.
Mit dem verlängerten Mutterschutz kämen
Mehrbelastungen in Milliardenhöhe auf
Unternehmen und Regierungen zu. Der Präsident
der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, schoss
den Vogel ab, als er im Vorfeld an die
Europaparlamentarier appelliert hatte,
ȟberzogenen Mutterschutzbestimmungen zulasten
der Arbeitgeber nicht zuzustimmen«. Das Votum
des zuständigen Fachausschusses im Parlament,
den Mutterschutz bei voller Lohnfortzahlung von
14 auf 20 Wochen zu verlängern und einen
vollständig bezahlten zweiwöchigen
Vaterschaftsurlaub einzuführen, gehe eindeutig
zu weit, so Hundt. Überzogene
Mutterschutzbestimmungen? Eine blanke Frechheit!
Gewerkschaften begrüßten den Beschluss übrigens,
der »deutlich über unseren Erwartungen liegt«,
sagte die Arbeitsmarktexpertin des Dachverbands
Europäischer Gewerkschaften ETUC, Veronika
Nilsson. Der Mindeststandard von bisher 14
Wochen sei nicht ausreichend gewesen für Mütter,
um sich angemessen von der Schwangerschaft zu
erholen und wieder in den Job einsteigen zu
können. Auch prima, oder? Der Mutterschutz als
Ruhephase vor erneuter Berufstätigkeit
einschließlich der Fremdbetreuung des Säuglings
in der Krippe. Herzlich willkommen im Land der
Arbeiter!
EU-weit sind die gesetzlichen Fristen für den
Mutterschutz sehr unterschiedlich geregelt. In
den meisten Staaten gelten zwischen 16 und 20
Wochen. Deutschland gehörte mit 14 Wochen
gesetzlichem Mutterschutz bislang zu den Staaten
mit den kürzesten Fristen. Die Entscheidung des
Europäischen Parlaments wird nun im Ministerrat
diskutiert. Damit die Richtlinie die nächste
Hürde nehmen kann, bedarf es einer
Mehrheitsentscheidung im Rat. Großbritannien,
Frankreich, Österreich, die Niederlande sowie
Schweden haben Widerstand angekündigt. Die
Bundesregierung hatte sich bereits im Vorfeld
gegen die Verlängerung des Mutterschutzes
ausgesprochen und bleibt dabei. Allen klaren
Erkenntnissen und Beweisen von Wissenschaft,
Verstand und Herz zum Trotze!
Übrigens, auch das ist wissenschaftlich
erwiesen: Kinder kommen nur dort ausreichend zur
Welt, wo sie erwünscht und ersehnt werden, und
nicht bereits im Mutterleib von Politikern und
Arbeitgeberverbänden als »Problem« betrachtet,
schlechtgeredet und in Krippen eingeschrieben
werden. Deutschland ist in Sachen Geburtenrate
nicht umsonst Schlusslicht!
Eva Herman
Zum Thema:
Forscher: Stillende Mütter sind andere Mütter –
höhere Intelligenz der Kinder (I)Forscher:
Schnuller und Nuckelflasche fördern
Suchtpotenzial des Menschen erheblich (II)
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