«Die Hauptfeinde
sind Feigheit und Gleichgültigkeit!»
Die DS im Gespräch mit dem Vorsitzenden der russischen
»Bewegung gegen illegale Imigration« (DPNI),
Alexander Belov
Alexander Belov wurde 1976 in Moskau geboren, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er
gehörte von 1990 bis 2002 der
national-patriotischen Organisation Pamjat an. Er
ist seit 2002 Mitglied der DPNI, seit 2004 im
Parteivorstand. Im Juli 2008 wurde Belov zum
Vorsitzenden gewählt.
DS: Könnten Sie uns etwas über die Entstehung der DPNI erzählen? Ihre
Organisation ist ja noch relativ jung – wie und
warum kam es zur Gründung der DPNI?
Belov:
Die DPNI hat vor kurzem ihren sechsten Geburtstag
gefeiert. Für russische Verhältnisse nach dem
Zerfall der UdSSR ist das eine ziemlich lange
Zeit.
Wir waren die erste politische Organisation, die
die Einwanderung und die damit zusammenhängenden
Probleme thematisiert hat.
Als in den Städten Krasnoarmejsk, Nowosibirsk und Uglitsch die ersten
Massendemonstrationen gegen die zunehmende
Ausländerkriminalität begannen, da wußten wir, daß
die Überfremdung für den russischen Staat, aber
auch für jeden einzelnen Bürger zu einer
ernsthaften Bedrohung geworden ist. Viele Russen
kannten diese Probleme aus der Sowjetzeit
überhaupt nicht und waren von der Wucht des
Ausländerzustromes überrascht. Wir wollten daher
gegen die erkannte Gefahr etwas unternehmen und
gründeten mit den verschiedensten Organisationen
zusammen die DPNI.
DS: Schon der Name Ihrer Organisation besagt es: Sie wenden sich gegen
die illegale Zuwanderung. Wie, glauben Sie, könnte
heute eine erfolgversprechende Politik gegen die
illegale Zuwanderung nach Rußland aussehen? Und
ist es dafür nicht längst zu spät?
Belov:
Jede Politik eines Staates, soll in erster Linie
den nationalen Interessen des Staatsvolkes dienen.
Die heute stattfindende Überfremdungspolitik durch
unkontrollierte und uneingeschränkte Einwanderung
ist nicht im Interesse unseres russischen Volkes
und fügt unserem Land erheblichen Schaden zu.
Lohndumping, Steuerhinterziehung, Drogenhandel,
Vergewaltigungen und Morde sind Anklagepunkte
gegen die heutige Ausländerpolitik.
Änderungen in der russischen Ausländerpolitik sind
aber ohne große Anstrengungen möglich. So muß man
nur umgehend wieder eine strenge Visumsordnung in
den GUS-Ländern einführen. Auch ist ein weiterer
Zuzug von ausländischen Arbeitskräften in ein Land
wie Rußland – das heute 10 Millionen Arbeitslose
hat – sofort zu stoppen.
Für die indianischen Ureinwohner in den USA ist es
leider heute schon zu spät, gegen die Überfremdung
und Diskriminierung im eigenen Land zu kämpfen –
für Rußland und Europa ist es zum Glück noch nicht
zu spät. Hier können wir heute noch den Kampf
gewinnen.
DS: Dem Namen nach ist die DPNI eine klassische »Ein-Punkt-Partei«. Aber
treten Sie auch für etwas ein?
Belov:
Wir treten für die Freiheit und die
Selbstbestimmung des russischen Volkes in Rußland
ein.
DS: Ihre Parole lautet: »Rußland den Russen!« Das ist auch für viele
Deutsche nachvollziehbar. Aber das historische
Rußland ist doch ein multi-ethnisches
Staatsgebilde – wie stellen Sie sich die Zukunft
der vielen ethnischen Minderheiten in Rußland vor,
etwa im Wolgagebiet und im Nordkaukasus?
Belov:
Die Parole »Rußland den Russen« geht auf den Zaren
Alexander III. zurück. Während seiner
Regierungszeit, gab es in Russland so gut wie
keine Konflikte zwischen den einzelnen
Volksgruppen – und das, obwohl die Russen damals
weniger als die Hälfte der Bevölkerung des
Russischen Reiches bildeten.
Diese Situation hat sich heute geändert: Es gibt
heute mehr als 82 Prozent ethnische Russen in
unserem Land. Weiterhin gibt es ca. 6 Prozent
Ukrainer, Weißrussen und Angehöriger anderer
Volksgruppen, die Träger der russischen Kultur
sind. Die restlichen 12 Prozent stellen das
multiethnische Rußland dar.
Die Russen sind heute also zweifelsfrei das
Staatsvolk Rußlands. Rußland soll deshalb ein
russischer Volksstaat und kein multikultureller
Vielvölkerstaat werden. Die Rechte der nationalen
Minderheiten in Rußland müssen aber gewährleistet
sein. Das Erbe des sowjetischen Vielvölkerstaates
gilt es nun endlich hinter sich zu lassen.
DS: Wo würden Sie heute die Hauptfeinde Rußlands sehen? Ist es eher der
Gastarbeiter auf dem Bau, oder sind es eher
korrupte Beamte und Bankiers – oder sitzen die
Hauptgegner Rußlands im Pentagon?
Belov:
Die heutigen Hauptfeinde sind Feigheit und
Gleichgültigkeit. Daher darf man das
Gastarbeiterproblem nicht als losgelöstes
Einzelproblem auffassen. Vielmehr ist dieses
Problem Bestandteil eines großen Problems.
Korrupte Beamte, Großkapital und Bankiers können
die einheimische Bevölkerung nicht zu Fremden im
eigenen Land machen – Gastarbeiterfamilien und
ihre zahlreichen Verwandten können das schon.
DS: Wie beurteilen Sie überhaupt die geopolitische Situation Rußlands am
Beginn des 21. Jahrhunderts? Und wie sehen Sie die
Rolle der USA?
Belov:
Ich will hier ganz ehrlich sein: ich halte das
heutige Rußland nicht mehr für eine führende
Großmacht. Weder die Regierung noch der Staat in
seiner Gesamtheit haben bis heute irgendeine
geopolitische Aufgabe zufriedenstellend gelöst.
Die neuerwachten Weltmachtsbestrebungen Rußland
sind aus meiner Sicht absurd und werden uns in
neue Probleme und Mißerfolge verwickeln. Die
heutige führende Weltmacht sind die USA. Ob es uns
paßt oder nicht – das ist die Realität. In der
zukünftigen weltpolitischen Entwicklung wird die
USA eine Schlüsselrolle spielen.
DS: Eine banale Frage: wie stehen Sie denn zur Person Putins? Beurteilen
Sie ihn aus nationaler Sicht eher positiv oder
negativ?
Belov:
Das kann man so eindeutig nicht sagen. Im Westen
wird er manchmal als russischer Nationalist
dargestellt. In Rußland hingegen wird er oft
entgegengesetzt wahrgenommen. Es ist natürlich
klar, daß er im Gegensatz zu Boris Jelzin eine
sehr viel bessere Figur macht. Schaut man aber
hinter Putins Fassade und nimmt eine Bewertung
seiner bisher geleisteten Arbeit vor, dann bleibt
von einem starken Präsidenten und nun
Ministerpräsidenten nicht mehr viel übrig.
DS: Die DPNI wurde in letzter Zeit auch über die russischen Grenzen
hinaus bekannt. Können Sie uns etwas über Ihre
europäischen Verbindungen sagen?
Belov:
Diese sind leider noch nicht ausreichend
ausgebaut. Wir haben hier im Hinblick auf
Zusammenarbeit und gemeinsamen Aktionen noch einen
großen Nachholbedarf. Die Beziehungen heute
beschränken sich lediglich auf den Austausch von
Informationen.
DS: In Deutschland haben bekennende Patrioten heute einen schweren Stand.
Es gibt Meinungszensur und einen erheblichen
Verfolgungsdruck. Wie ist die Situation in Rußland?
Wird die DPNI vom Staat verfolgt?
Belov:
In Rußland haben wir im Gegensatz zu Deutschland
keine so strenge Zensur. Um das russische
Rechtssystem selber ist es allerdings nicht so gut
bestellt. In Deutschland kann man schnell für
Meinungsäußerungen bestraft werden. Wenn die
Strafbarkeit der Meinungsäußerung aber nicht
ausreichend nachgewiesen werden kann, dann wird es
aber in der Regel zu keiner Verurteilung kommen.
Spricht ein deutsches Gericht den Angeklagten
frei, dann ist er auch frei.
In Rußland sieht es aber anders aus. So wurde z.B.
unser Kamerad Sergej Araktschejev zweimal vom
Schwurgericht freigesprochen. Beim dritten Mal
wurde er dann aber von einem einfachen Gericht für
den gleichen Tatbestand zu 15 Jahren Haft
verurteilt.
Hier erhoffe ich mir mit dem Amtseintritt des
Präsidenten Medvedjev eine spürbare Verbesserung
unseres Rechtssystems.
DS: In Deutschland wurden einige spektakuläre Aktionen der DPNI wie etwa
der »Russische Marsch« bekannt. Welche Ziele
verbinden Sie mit dieser Aktion?
Belov:
Durch die Jahrzehnte sowjetischer Propaganda
wurden unserem Volk alle nationalen Feiertage
genommen. Hier mußte also ein Tag geschaffen
werden, der es den Russen ermöglicht, diesen als
Nationalfeiertag zu begehen.
Der neue Nationalfeiertag am 4. November – der Tag
der nationalen Einheit – war da sehr passend.
Diesem Fest gaben die russischen Nationalisten
einen sehr volkstreuen Charakter. In ganz Rußland
gehen an diesem Tag Nationalisten auf die Straße,
um für die russische Selbstbestimmung zu
demonstrieren.
DS: Findet der »Russische Marsch« auch 2008 wieder statt?
Belov:
Ja, natürlich!
DS: Aus der Distanz haben Sie vielleicht einen etwas realistischeren
Blick auf die Situation hier in der Bundesrepublik
als viele Deutsche – was würden Sie unseren Lesern
in Deutschland wünschen?
Belov:
Mindestens vier Kinder in jeder deutschen Familie!
Das Interview führte Jens Pühse.
Quelle: „Deutsche Stimme“
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