Aufbruch in der arabischen Welt

Zwischen Morgenland und Abendland, bzw. Islam und
Christentum, herrscht seit Ende des 7.
Jahrhunderts auf drei Kontinenten ein
Glaubenskrieg; seit Beginn des 19. Jahrhunderts
hat sich als dritter Glaubenskrieger der
amerikanische Imperialismus, seit Beginn des
20. als vierter der radikale Zionismus
dazugesellt.
Der
niedergang Europas und der Römischen Kirche
Seit 1945 ist eine selbstständige Außen-, Finanz- und
Wehrpolitik einst mächtiger europäischer
Staaten auf dem Schachbrett der Weltpolitik mit
freiem Auge nicht mehr wahrnehmbar, von
deutscher Eigenbestimmung ganz zu schweigen.
Und in Glaubensdingen hat sich die einst urbi
et orbi alles überstrahlende "ecclesia militans"
in einen einbahntoleranten, liberalen
Debatierklub verwandelt. Parallel zum
fortschreitenden Désintéressement der
Kirche an der Verteidigung tausendjähriger
Rechte und Privilegien in Nordafrika und
der Levante, schreitet die Re-Islamisierung in
den Ländern dieser einst christlichen Regionen
munter voran. Auf Grund ihrer Parteinahme im
Nahostkonflikt, findet die katholische Kirche
"light" als politischer Machtfaktor und als
moralische Instanz in der arabisch-islamischen
Welt seit langem kein Gehör mehr.
Im
Mai 2002 führte ich in Beirut ein Gespräch mit
Nasrallah Sfeir, dem Patriarchen der
Maronitischen Kirche. Er steht einer
christlichen Gemeinde vor, die vor über 1500
Jahren im Libanon entstand und nach Rom
ausgerichtet ist. Es ging in dem Gespräch
darum, wie sich die christlichen Gemeinden in
der Levante gegen die immer stärkere Ausbreitung
des Islam behaupten könnten. Just in jenen Tagen
geschah es, daß israelische Truppen tagelang die
in der Geburtskirche Jesu zu Bethlehem
verschanzten palästinensischen Kämpfer
belagerten und beschossen, diese zurückschossen.
Täglich und weltweit konnte man in den Medien
dieses Gefecht verfolgen. Der Patriarch
klagte: „Würde es sich um ein islamisches oder
gar ein jüdisches Heiligtum handeln, der
Aufschrei in aller Welt hätte zu einer
sofortigen Einstellung des Kampfes und zur
Räumung dieser heiligen Stätte geführt. Doch wie
reagiert die Amtskirche ? Wie die Regierungen
der sogenannten christlichen Nationen? Haben Sie
von irgendeinem Protest gehört ? Man nimmt
dieses Gefecht um die Geburtskirche des Heilands
nicht anders zur Kenntnis, als ginge es um einen
Schuppen, um eine Parkgarage!“ Und zuletzt
meinte er mit Wehmut: „Die Bereitschaft Europas
und Roms, irgend etwas zum Schutz und für das
Überleben der Christen im Orient zu unternehmen,
ist bereits so schwach, daß in wenigen
Jahrzehnten im Heiligen Land, der Heimat unseres
Herrn Jesus Christus, keine Christen mehr zu
finden sein werden.“
Wie kam es zum Aufstieg und niedergang des Islam?
Die entlang der Küste Westafrikas bis zum Indischen
Ozean gereihten sogenannten arabischen Staaten
haben drei gemeinsame Nenner: 1.) Die Religion
des Islam, mit Ausnahme des Libanon, wo
christliche Religionsgemeinschaften - noch -
gleichberechtigt sind, 2.) die arabische
Sprache und Schrift, 3.) die Tatsache, daß über
90 Prozent der Bevölkerung der arabischen
Länder keine Araber sind.
Geschichtlich und völkerkundlich unterscheidet man
vier große Wanderbewegungen von semitische
Dialekte sprechenden Völkern und Stämmen, die
über einen Zeitraum von vier Jahrtausenden aus
dem Inneren der Arabischen Halbinsel heraus nach
Norden und Westen als Eroberer oder friedliche
Nomaden gezogen sind. Babylonier und Assyrer
waren die ersten, es folgten die Kanaanäer und
Hebräer, die Phönizier und Aramäer. Nur die
vierte und letzte Wanderung im 7. Jahrhundert
wird die arabische genannt. Sie gipfelt in den
Eroberungen des Islam. Kulturgeschichtlich und
weltpolitisch waren die Folgen dieses Dschihad
gigantisch: Kaum 4000 Wüstenkriegern aus Mekka
und Medina, denen der Prophet Mohamed den
Befehl erteilt hatte, die grünen Fahnen zu
entfalten und den wahren Glauben in der Welt zu
verbreiten, gelang es in einem Zeitraum von nur
40 Jahren, die vielfach überlegenen
oströmischen Armeen bei Kairo, Karthago,
Jerusalem und vor Konstantinopel vernichtend
zu schlagen, die persischen Panzerreiter und
Bogenschützen des zoroastrischen
Sassanidenreiches am Tigris in die Flucht zu
jagen. Fortan bekannte sich von den Hängen des
Atlas und des Kaukasus bis zum Indus, vom
ersten Nil-Katarakt bis Kabul die große
Mehrheit der Völker zum Islam, verneigte sich
beim Gebet gen Mekka, übernahm - mit Ausnahme
der Perser - die arabische Sprache und schrieb
von rechts nach links. Der Elan der Araber war
freilich gebrochen: Aus den kargen
entvölkerten Wüsten und Oasen ließ sich kein
Roß, kein Reiter mehr rekrutieren. Doch der
Dschihad wurde fortgesetzt. Die Muslime, die
auf der iberischen Halbinsel das Reich der
arianischen Westgoten besiegten und 732 vom
fränkischen Heer der Merowinger bei Tours und
Poitiers geschlagen wurden, waren keine
Araber, sondern zum Islam bekehrte Berber.
Salah ad Din, zu deutsch Saladin, Feldherr der
Muslime, der das Heer der Kreuzritter bei
Hattin vernichtete, war kein Araber, sondern
Kurde. Die Muslime, die im 12. bis 14.
Jahrhundert den größten Teil Indiens eroberten,
waren keine Araber, sondern Afghanen und
Perser. Die Muslime, die 1529 und 1783 vor
Wien zurückgeschlagen wurden, waren keine
Araber, sondern Türken.
Erfolgreiche Gegenangriffe gelangen den christlichen
Mächten nur selten: Die Kreuzzüge des 11. und
12. Jahrhunderts brachten keine nachhaltige
Entlastung. Das Königreich Jerusalem konnte
sich nur 80 Jahre halten. Erst die
revolutionären navigatorischen,
schiffsbautechnischen und artilleristischen
Erfindungen portugiesischer, genuesischer und
baskischer Seefahrer ermöglichten die
Reconquista, die Entdeckung neuer Kontinente und
Gründung der europäischen Kolonialreiche.
Nach dem Abtreten der Europäer von der
weltpolitischen Bühne und dem Antreten von "God's
own country" als "benevolent Empire" - ein stets
Gutes bewirken wollendes Empire - zur
Errichtung der gleichgeschalteten "One World",
gelang es den USA nach dem 2. Weltkrieg die
früheren Kolonialmächte zu beerben und in
Ägypten, Marokko, Tunesien, Libyen, Jordanien,
Jemen, Libanon, Irak, Iran, sowie in den
Ölemiraten am Persischen Golf verläßliche
Satrapen einzusetzen. Doch Zug um Zug wurden im
Laufe der nächsten Jahrzehnte diese US-Vasallen
im Iran von den Mullahs, in Ägypten von den
putschenden Offizieren Naguib und Gamal Abdel
Nasr, im Irak von Abdelkarim Qasem, in Libyen
von Muammar al Gaddafi, in Algerien und
Tunesien von den Marxisten Ben Bella und
Bourgiba verjagt. Der palästinensische
Widerstand wurde fast fünfzig Jahre lang vom
Marxisten Jasser Arafat angeführt. Erst in den
80er Jahren kam es - beginnend mit der
libanesischen Hisbollah - zur Rückbesinnung
auf den Koran und Hinwendung der arabischen
Freiheitsbewegungen zum fundamentalen Islam.
Gleichzeitig erfolgte in Israel eine ähnliche
Entwicklung: Während die Gründerväter des
Zionistenstaates in ihrer Mehrzahl bekennende
Marxisten aus Osteuropa waren, wir erinnern uns
an Ben Gurion, Golda Meir, Menachem Begin, kam
es in den 80er Jahren - bedingt durch das
Stocken der Zuwanderung aus dem Westen und der
Masseneinwanderung von Glaubensjuden aus
Ägypten, Irak, Iran, Jemen, Marokko, auch in
Israel zur Hinwendung auf den religiösen
Fundamentalismus. Konnte man vor dreißig,
vierzig Jahren noch erleben, wie sich
israelische Linke mit palästinensischen
Marxisten vor laufenden Kameras die Hände
schüttelten, wäre es in Zeiten eines Likud und
eines Yisrael Beitanu, einer Hisbollah und
einer Hamas heute undenkbar, daß sich die
Herren Avigdor Lieberman oder Benjamin
Netanjahu, die Herren Hassan Nasrallah oder
Ismail Hanija, auch nur den kleinen Finger
reichten. Dies bedeutet für uns die
Erkenntnis, daß zwischen beiden
Hauptkontrahenten im Nahostkonflikt kein
politischer Dialog mehr geführt werden kann,
weil sich dort zwei radikale
Glaubensgemeinschaften gegenüberstehen, deren
unabänderliche Gebote und Dogmen in den
heiligen Büchern ihrer Propheten auf ewig
eingemeißelt sind.
Wie unversöhnlich und radikal diese Standpunkte
aufeinanderprallen, mögen die folgenden
Beispiele aufzeigen:
1980 hielt Rabbi Zwi Jehuda Kook, Gründer des "Gusch
Emunim" (Bund der Getreuen) in New York vor
steinreichen nichtjüdischen Spendern eine Rede,
aus der ich zitiere: "Wir sind Am Segula, das
auserwählte Volk. Diese Auserwähltheit und
Einzigartigkeit des jüdischen Volkes ist
darin begründet, daß es einen Vertrag mit seinem
Gott hat. Unser Gott versprach uns und unseren
Nachfahren dieses Land. Er gab uns den
ausdrücklichen Befehl, es zu besetzen. Würden
wir dies nicht tun, so brächen wir den Vertrag
und würden an Gott freveln. Über unseren Bund
mit Gott können wir nicht verhandeln. Höret
auf, Toleranz zu predigen und uns zu bedrängen
!"
Am
14. Juli 2006 hielt Scheich Hassan Nasrallah,
Generalsekretär der Hisbollah, unter
israelischem Bombenhagel eine Fernsehansprache
an seine Landsleute. Am Ende wandte er sich an
die Zionisten und sagte "Den Zionisten sage ich
in dieser Stunde, hört mir gut zu: Ihr habt
noch immer nicht begriffen, mit wem ihr
es zu tun habt, gegen wen ihr eigentlich
kämpft. Ihr kämpft gegen die Anhänger Mohammeds
des Propheten. Ihr führt Krieg gegen ein Volk,
das so felsenfest zu seinem Glauben steht, wie
sonst kein Volk auf Erden. Ihr führt einen
totalen Krieg gegen eine
Glaubensgemeinschaft, die stolz ist auf ihre
Geschichte und Zivilisation. In den kommenden
Tagen, Monaten und Jahren werden wir uns
gegenüberstehen: Nur IHR UND WIR !
Salam aleikum, Friede sei mit euch, und Gott sei
euch gnädig."
Zug um Zug gingen die USA und daran, ihre Kontrolle
über die meisten Staaten des "Greater Middle
East" durch politische und finanzielle
Einflußnahme zu festigen oder mittels "preemptive
strikes" (vorbeugender Überfälle), "anticipatory
self defence" (angewandter vorweggenommener
Notwehr) und "creative destruction"
(schöpferischer Zerstörung) militärisch zu
erzwingen. Es kam zur Invasion der
"Schurkenstaaten" Irak, Afghanistan und
Libanon. Doch weil die schimmernde Wehr der
Amerikaner im irakischen Faludscha, der Israeli
im Südlibanon und im Gasastreifen nur Pannen,
Pech und Pleiten erlitten, blieben die als
nächste Kandidaten ausersehenen
"Schurkenstaaten" Iran und Syrien - zunächst -
ungeschoren.
Was verbindet die im Aufbruch befindlichen
arabischen Völker?
- Der Vormarsch des radikalen Islam, der streng
genommen keine Trennung von Staat und Religion
zuläßt, die Einhaltung der Scharija-Gebote, die
Einführung eines zinsfreien arabischen
Bankensystems einfordert und jede Form
demokratisch liberaler Verfassungen und
Wirtschaftsordnungen ausschließt.
- Der Haß auf den heuchlerischen "Westen",
insbesondere auf die Amerikaner, die Freiheit
und "Democracy" predigen, jedoch mit Einsatz
von Bomben, Granaten und willfähriger,
bestochener Satrapen dafür sorgen, daß ihnen
Rohstoffreserven ausgeliefert und
Militärstützpunkte eingeräumt werden.
- Die Ablehnung des Staates Israel, der, kraft seiner
selbstdefinierten göttlichen Bestimmung
niemals nachlassen wird, sein Territorium auf
Kosten der arabischen Staaten Syrien, Libanon,
Ägypten, Palästina, Irak, bis zu den von ihren
Propheten verheißenen Ufern des Nil und Euphrat
auszudehnen.
- Die Einflußnahme des globalen amerikanischen
Imperium, das mit Hilfe seit Jahrzehnten
eingeschleuster Agenten sowie als
Friedensstiftungen und
Menschenrechtsorganisationen getarnter
Agenturen daran arbeitet, die Bildung souveräner
Staaten und Ausbreitung fundamental
islamischer Bewegungen schon im Ansatz zu
verhindern.
- Der im Frühjahr dieses Jahres begonnene Aufbruch
von Millionen Bürgerinnen und Bürgern in allen
arabischen Ländern, die nicht nur für Arbeit und
Brot, sondern auch für das Idealbild von
"Demokratie" auf die Straße gehen, die sie
freilich als das fundamentale Recht des
Volkes auf Mitbestimmung verstehen, als das
Gegenteil also von der EU-ropäisch-amerikanisch
verlogenen Perversion von "Democracy".
- Schließlich ihre Verbundenheit mit Millionen
US-Bürgerinnen und Bürgern, die seit April
dieses Jahres in Wisconsin, Michigan, South
Carolina, Utah, Virginia, Kalifornien, usw.,
gegen den radikalen Sozialabbau protestieren
und vor ihren Landesparlamenten Plakate
schwenken mit der Aufschrift: "We are all
Egyptians!"
Kommt
es gar zur Verbrüderung mit dem amerikanischen
Volk?
Am 17. September zogen mehrere tausend jugendliche
Mitglieder der gegen das amerikanische
Sozialsystem sowie die Herrschaft der Wucherer
und Spekulanten aufbegehrenden Organisationen
"Days of Rage", "Occupy Wall Street", "Adbusters"
in die New Yorker Innenstadt und besetzten die
Wall Street. 2 Monate lang wollten sie mit
Protestdemonstrationen das gesamte Finanzsystem
und seine undurchsichtigen Institutionen
nachhaltig stören, wenn möglich blockieren,
wurden aber von der New Yorker Polizei zunächst
abgedrängt. Ab 6. Oktober wollen sie ihre
Demonstrationen auf 14 weitere Großstädte
ausdehnen.
Ein Demonstrant: "Wenn wir sehen, daß die Bosse
von General Electric, Boeing, Coca Cola, deren
Unternehmen im letzten Jahr keinen Cent Steuern
gezahlt haben, neben Obama im 'Komitee für
den Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft'
sitzen, wissen wir, daß etwas faul ist." Ein
zweiter: "Obama versprach uns Hoffnung und
Änderung, doch nichts geschah. Jetzt möchten
wir ihm zeigen, wie 's gemacht wird."
Ein dritter: "Die Wall Street ist der Ort, wo
unser Geld verschwindet. Wir werden die Wucherer
hier so lange belagern, bis uns jemand ernst
nimmt..." Ein vierter: "Die Araber haben uns
vorgemacht, wie man Bonzen stürzt. Am 6. Oktober
werden wir Washington in Tunis und Kairo
verwandeln". Ein fünfter, auf die Frage, ob
dieser Aufstand nicht das ganze Land bedrohe:
"Nicht unser Land, sondern die Verschwörer des
'New World Order' bekämpfen wir!"
Was wollen diese Jungrevolutionäre erreichen:
1.) Verbot des Einkaufens und der Anfütterung
von Politikern durch die Wall Street.
2.) An Bodenschätzen des Landes dürfen sich die
"bankster" nicht mehr bereichern.
3.) Die US-Regierung soll die Wall
Street-Parasiten straff an die Kandare nehmen.
4.) Unser Volk darf nicht mehr für Banken
haften, die "too big to fail" sind.
5.) Der Federal Reserve muß untersagt werden,
unsere Zukunft zu stehlen.
Besonderheiten in den einzelnen Ländern
Ägypten
Seit dem Sturz ihres willigen Vasallen
Mubarrak, arbeiten die USA eifrig daran, aus den
Reihen des Militärs eine zweite willfährige
Junta zusammenzustellen. Doch die Zeit drängt,
denn der Einfluß der "Ichwan", der
Moslembrüder, die im September an den Wahlen
teilnehmen werden - die übrigens auf Ende des
Jahres insch' Allah verschoben wurden - ist
immer fühlbarer. Schon zweimal wurden
Erdgasleitungen nach Israel gesprengt. Im
Februar genehmigte die Übergangsregierung -
trotz schärfsten Protests aus Israel - das
Passieren von zwei iranischen Kriegsschiffen
durch den Suezkanal ins Mittelmeer. Die
Grenzübergänge zum Gasastreifen wurden wieder
geöffnet. Seit einiger Zeit verhandeln Kairo
und Teheran zum Schrecken Israels über die
Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen.
Ende August ergab eine Umfrage, daß 72% der
Ägypter für die Aufkündigung des
Friedensvertrages mit Israel eintreten. Im
September gärte es wieder in Kairo und füllte
sich der Tahrirplatz (Befreiungplatz), denn bis
heute sind die Forderungen des im Frühjahr
protestierenden Volkes nicht erhört worden,
ist von angewandter Demokratie kein Windhauch
zu spüren.
An den Zitzen des 6671 Kilometer langen Nils
hängen zehn von Austrocknung bedrohte
afrikanische Staaten, und nun pocht auch noch
das von Wassernot betroffene Israel auf 1979
mit Präsident Sadat getroffene
Vereinbarungen, wonach die unter dem
Suezkanal hindurch in die ausgetrocknete
Sinai führende Wasserleitung bis Israel, das
kein Nil-Anrainerstaat ist, verlängert werden
soll. Schon drohen deshalb radikale
Islamisten mit der Sperrung des Suezkanals, was
unabsehbare Folgen für sämtliche
erdölabhängige Industriestaaten nach ziehen
würde.
Aus Zeitgründen werde ich die Länder des Maghreb,
Libanon, Irak, Saudi Arabien und die Ölemirate
überspringen
Im
westlichen MAGHREB ist die gut gerüstete AQMI,
(Al Qaida Islamique du Maghreb) im Vormarsch;
in TUNESIEN die islamische "An Nahda", in
ALGERIEN wird das seit 50 Jahren herrschende
Militär nicht umhin können, den 1992
errungenen Wahlsieg der radikal islamischen
Parteien FIS und GIA anzuerkennen und neue
Wahlen zuzulassen; in MAROKKO sind die
Islamisten im Vormarsch. In Marrakesch, einer
Hochburg der längst nicht gleichberechtigten
Berber, die in einigen Regionen Nordafrikas
bis zu 60 Prozent der Bevölkerung stellen, ist
im Mai eine erste Bombe hochgegangen.
In Libyen möchten einige der schon seit vierzig
Jahren benachteiligten Stämme den regierenden
Gaddafi-Clan vom Futtertrog vertreiben. Die
Globalisierer, die Weltfinanz und das Ölkartell
wittern Morgenluft und wollen den einst als
Revolutionshelden und Befreier gefeierten, jetzt
lästig gewordenen Muammar al Gaddafi loswerden.
Was wirft man dem "Schurken" vor ? Wie der
Iraker Saddam Hussein 1993, war Gaddafi daran
gegangen, die libysche Zentralbank und die
Ölindustrie zu verstaatlichen und drohte, die
westlichen Ölgesellschaften aus dem Lande zu
jagen. Was war 2003 die erste Amtshandlung,
die von den amerikanischen Besatzern in Bagdad
vollzogen wurde ? Sie gingen daran, die
irakische Ölindustrie, als zweites, die
irakische Zentralbank zu privatisieren und
dem Bankhaus JPMorgan zu unterstellen.
Was tat die US-Regierung kurz vor der
Kriegserklärung an Libyen ? Sie fror libysche
Guthaben in der Höhe von 30 Milliarden Dollar
ein. Und was geschah im März 2011 in Benghazi ?
Da vollzog eine "Übergangsregierung", die aus
einem Haufen CIA-implantierter, aus dem
Exil herbeigekarrter, fernsehwirksam
Fähnchen schwenkender, "Democracy"
grölender, untereinander hoffnungslos
zerstrittener "Revolutionäre" als erste
Amtshandlung die Gründung einer privaten
Zentralbank, als zweite beschloß sie die
Wieder-Privatisierung der libyschen
Ölindustrie.
Von westlichen Medien wird jetzt ein Machmud
Dschibril, Vorsitzender der
Übergangsregierung in Benghasi, als
demokratischer Heilsbringer angepriesen, in
europäischen Hauptstädten herumgereicht und
mit finanziellen Hilfszusagen überhäuft. Ein
gewisser Khalifa Hiftar wird als Anführer
der auf Toyota-Lieferwagen Cowboy und Indianer
spielenden und herumknallenden libyschen
Rebellenarmee gefeiert, der einst enger
militärischer Berater von Gaddafi war. Er
desertierte 1987, lebte seither in Virginia
und schloß sich der CIA-finanzierten "Libyan
National Front" an.
Ohne Absegnung ihrer Kampfeinsätze durch die
UNO, ohne Genehmigung des amerikanischen
Kongresses und EU-ropäischer Parlamente,
sondern lediglich gedeckt durch einen von den
USA befohlenen NATO-Einsatz, griffen - unter dem
Vorwand, libysche Zivilisten schützen zu wollen
- französische, britische, italienische
Kampfflugzeuge mit modernstem Arsenal und
praktisch ohne Gegenwehr, Stellungen der
Gaddafi-treuen Regierungstruppen an. Vom
ersten Tag an galt totale Nachrichtensperre,
wurde den gleichgeschalteten Medien ein
Maulkorb verpaßt. Die Parole lautet: WIR, die
westliche "Werte"-gemeinschaft, kämpfen für
Frieden und Menschenrechte, wollen das
libysche Volk, ja alle arabischen Völker, von
finsteren Mullahs und blutdürstigen Terroristen
befreien.
Wie stets vor Edelmut triefend und Aussöhnung
predigend, setzten die Welt-Sheriffs 2 Millionen
Dollar für die Ergreifung des Schurken Muammar
Gadhafi aus tot oder lebendig, und nun erlaubt
er sich, ganz einfach zu verschwinden. Unsere
gleichgeschalteten medialen Auftragskläffer
berichten niemals neutral, sondern übernehmen
beflissen und unüberprüft jede Meldung von
Massakern der Regierungstruppen an
Zivilisten und der Vergewaltigung von
Tausenden Frauen auf Befehl des libyschen
Herrschers, der seinen Truppen zu diesem
Zweck "mehrere Container mit Viagra ähnlichen
Pillen zur Verfügung stellte..." Wer sich der
Mühe unterzieht, dieser unappetitlichen
Geschichte arithmetisch auf den Grund zu gehen,
wird mit Erstaunen fest stellen, wie viele
Millionen solcher Potenzpillen in einen
einzigen Container Platz hätten.
Hier ist ein Wort zum Sender "Al Jazeera" angebracht:
Die Amateurwackelbilder, die er aus dem
winzigen, von den USA besetzten Scheichtum
Qatar täglich sendet, werden von den
gleichgeschalteten westlichen Agenturen
kommentarlos übernommen. Eher klettert ein
Kamel auf das Minarett, als daß "Al Jazeera"
neutrale Nachrichten zur politischen und
militärischen Lage in der arabischen Welt
verbreitet.
Was wir derzeit in Libyen und anderen arabischen
Ländern erleben, ist der Versuch der Umwandlung
einer traditionell islamischen
Stammesgesellschaft in eine "Democracy" nach
dem Muster der EU und den Plänen der
Globalisierer: In Tripolis werden gehorsame
Satrapen eingesetzt, Wirtschaft und Finanzen
werden vom Ölkartell, dem militärisch
industriellen Komplex und der Wall Street
kontrolliert, Gewinne werden privatisiert,
Verluste sozialisiert, das Volk soll geistig
umerzogen, moralisch umgepolt, kulturell
gleichgeschaltet werden: Statt Islam und Koran,
Lady Gaga und Hollywood.
Die Libanesen wissen seit 1948, daß der Staat
Israel, soll seine Landwirtschaft nicht
verdorren, seine Grenzen bis zum Litani-Fluß im
Südlibanon vorschieben muß. Es ist deshalb keine
Frage des ob, sondern nur des wann, Tsahal ein
drittes Mal versuchen wird, in das Land der
Zedern einzumarschieren, um sich den Besitz des
ersehnten Gewässers zu sichern.
Die Golfstaaten
Seit hundert Jahren "herrschen" im
Auftrag des britischen, danach des
amerikanischen Ölkartells, in Saudi Arabien die
Al Saoud, in Kuwait die Al Sabah, in Bahrain die
Al Khalifa, in Qatar die Althani, in Abu Dhabi
die Al Nahijan, in Dubai die Al Maktoum, in
Shardscha die Al Kazmi, im Oman die Al Said, zu
allen Zeiten bereit, im Gegenzug für
reichhaltige Apanagen, die Rohstoffe ihrer
Länder den Amerikanern auszuliefern.
Zwischen 40 Prozent in Saudi Arabien, 95
Prozent in Qatar, besteht die Bevölkerung
dieser Ölförderländer aus Fremdarbeitern. Die
minoritären Inländer leben wie Drohnen und
werden von den Herrschercliquen mittels
Privilegien, Geldgeschenken und Steuerfreiheit
ruhig gehalten. Die Massen von indischen,
pakistanischen, ägyptischen, philippinischen
Arbeitssklaven sind rechtlos. Erst im Laufe der
80er Jahre hat sich dank Zugang zu kritischen
Auslandsmedien und zum Internet eine schnell
wachsende junge Mittelschicht herangebildet,
die sich von der pro-amerikanischen
Erfüllungspolitik ihrer "reguli" distanzieren
will. Gerät der von den Palästen seit bald
hundert Jahren auf sie herabfließende Geldsegen
ins Stocken, werden die arabischen Massen nicht
zögern, diese nutzlos gewordenen Polit-Eunuchen
im Namen Allahs, des Allmächtigen und
Barmherzigen, zu liquidieren.
Auch die schiitische Mehrheitsbevölkerung in
Bahrain und die schiitischen Minderheiten in
den anderen Golfstaaten sind nicht mehr
willens, noch länger auf die völlige
Gleichstellung mit den Sunniten zu warten. In
Bahrain hat der sunnitische Mini-Herrscher
mit amerikanisch-saudischer Hilfe den Aufstand
der Schiitenmehrheit von 80 Prozent in seinem
Lande niedergeschlagen. Die dem religiösen
Leidenskult frönenden Schiiten sind nicht mehr
bereit, diesen auch im politischen Kampf zu
ertragen.
Kampf um Öl – und Gasreserven in der Levante
Seit Jahren ist bekannt, daß sich entlang der Küsten
Israels, des Gasa-Streifens, des Libanon und
Syriens eine Lagerstätte von geschätzten 3500
Milliarden Kubikmetern Gas und 1,7 Milliarden
Barrels Erdöl erstreckt. Sie wird in ihrer
Gesamtheit von Israel beansprucht, das die
Bohrrechte der US-amerikanischen
Ölgesellschaft Noble Energy übertragen hat.
Die USA und die EU sind einverstanden. Wer
glaubt, daß Syrien, Hamas und Hisbollah ruhig
zusehen werden, glaubt an den Osterhasen!
Als Noble Energy bekanntgab, sie würde im
Auftrag der Republik Zypern demnächst mit
Bohrungen beginnen, kündigte der türkische
Regierungschef an, die Türkei würde in
derselben Zone unter dem Schutz ihrer Luftwaffe
und Marine ebenfalls mit Bohrungen beginnen.
Ferner drohte Erdogan Brüssel mit dem Einfrieren
der Beziehungen, sollte Zypern im Juli 2012 die
turnusmäßige Präsidentschaft der EU antreten.
An Syriens Küste unterhält Rußland den
Marinestützpunkt Tartous, der Israel und der
NATO als schmerzhafter Dorn tief im Fleische
steckt. Seit über 40 Jahren regiert in Syrien
die laizistische Baath-Partei, herrscht die
Minderheit der Alaouiten über die Mehrheit von
85 Prozent Sunniten, Schiiten, Drusen und
Christen. Der alauitische Assad -Clan sicherte
sich vor 40 Jahren die wichtigsten Posten in
der Politik, beim Militär und im Geheimdienst
Mukhabarat. Klar, daß Oppositionelle aus
anderen Minderheiten auch mal an den Futtertrog
gelangen möchten.
Seit Monaten übernehmen westliche Fernsehsender
ausschließlich Wackelbilder von "Al Jazeera",
Horrormeldungen regimekritischer Agenturen,
berichten von landesweit Hunderttausenden
Demonstranten, deren angebliche Zahlen jeweils
um zwei Nullen gekürzt werden können. Die
Agentur "Novosti" reagierte mit einer Befragung
zahlreicher in Damaskus lebender russischer
Bürger, die ergab, daß sie von solchen
Massenprotesten weder gesehen noch gehört
hatten. Sie berichteten von spontanen,
regierungsfreundlichen Autokonvois in der
syrischen Hauptstadt und in anderen Städten.
Auch die österreichische Botschafterin in
Damaskus bestätigte im ORF, keinen
regimefeindlichen Demonstrationen begegnet zu
sein.
Wer erfährt schon aus den gleichgeschalteten
Systemmedien, wer die wahren Unruhestifter
sind ? Kein Wort über die von den USA
finanzierte "Syrian Reform Party", deren Chef
Farid el Ghadri, immerhin der erste Syrer, der
in der Knesseth eine Rede halten durfte. Kein
Wort über Abdelhalim Khaddam, dem ehemaligen
syrischen Vizepräsidenten und einzigen
Sunniten in der syrischen Regierung. 2005
wurde er wegen Korruption angeklagt und floh
in den Westen, wo er im Exil dank
amerikanischer Hilfe die "National Salvation
Front" gründete, die jetzt zum Sturz der
syrischen Regierung aufruft.
Ein paar Worte zur Türkei:
Nach dem Wahlsieg seiner AKP wurde Recep T. Erdogan
im März 2003 zum Ministerpräsidenten gewählt
und errang der Islam die politische Macht im
Türkenstaate. Der Grund für den seither von
Ankara gesteuerten Zickzackkurs zwischen Skylla
und Charibdis liegt darin, daß die Türkei jetzt
zwischen sechs Stühlen sitzt und seinen Platz -
bisher - noch nicht gefunden hat:
- Ihre NATO-Mitgliedschaft stempelt sie in den
islamischen Ländern zum schwarzen Schaf:
Anläßlich seines September-Besuchs bei der UNO
Generalversammlung in New York besprach er mit
Obama die Errichtung eines NATO-Radarschirms in
der Osttürkei und den eventuellen Kauf von
US-Abwehrraketen. Bei dieser Gelegenheit wollten
er auch den Präsidenten Achmedinedschad treffen,
um iranische Bedenken zu zerstreuen. Der Iran
hat aber bereits in Rußland wegen der Lieferung
von S-300 Abwehrraketen angefragt.
- Ihre streng islamische Ausrichtung und die
Androhung ihres Ministerpräsidenten, die
Beziehungen zur EU einzufrieren, falls die
Republik Zypern im Juli 2012 turnusmäßig den
halbjährigen EU-Vorsitz antreten sollte, schafft
klare Verhältnisse und schließt den EU-Beitritt
der Türkei endgültig aus,
- Moskau wird seine Jahrhunderte alten Ansprüche auf
einen eisfreien Hafen an den Dardanellen niemals
aufgeben,
- Die Araber werden den Türken nie einen Stuhl
anbieten,
- Israel wird die Türkei nie als
gleichberechtigten Partner anerkennen,
- die USA, der Türken langjähriger Beschützer,
brauchen jetzt selber dringend Hilfe.
Palästina und Israel
Dank ägyptischer Vermittlung einigte sich am 4. Mai
die palästinensische Fatah mit der Hamas auf
einen Versöhnungsvertrag, der im Mai 2012 die
Abhaltung von Wahlen sowohl im Westjordanland
als auch im Gasa-Streifen und Ostjerusalem
vorsieht.
Als US-Präsident Obama am 19. Mai ankündigte, er
werde für eine Zwei-Staaten Lösung eintreten,
flog Netanjahu nach Washington und bekräftigte
vor dem amerikanischen Kongreß Israels
Ablehnung eines Palästinenserstaates. Gezählte
29 mal wurde seine Rede von den Abgeordneten
mit "standing ovations" unterbrochen. Welche
Ohrfeige für einen Präsidenten ! Diese Erfahrung
scheint ihn aber schnell an die normative Kraft
der faktisch in den USA herrschenden
Machtverhältnisse erinnert zu haben, denn nur
zwei Monate später dekretierte er urbi et urbi,
er werde jedem Versuch der Palästinenser und
drei Viertel aller UNO-Mitglieder, ein
souveränes "Falastin" zuzulassen, sein Veto
entgegensetzen.
Als am 23. September bei der Generalversammlung zu New
York Machmud Abbas, Vorsitzender der
Palästinensischen Autonomiebehörde, im
Fernsehen live verkündete, er hätte dem
Generalsekretär der UNO Ban Ki-Moon soeben den
Antrag zur Aufnahme Palästinas als
Vollmitglied in die Vereinten Nationen gemäß
UNO-Resolutionen 242 und 338 auf Grundlage der
Grenzen von 1967 mit der Hauptstadt Al Quds
(Jerusalem) überreicht, erscholl aus allen
palästinensischen Städten, Dörfern,
Flüchtlingslagern vielhunderttausendfach der
Ruf nach "194", wäre doch ihr neuer Staat das
194. Mitglied der Vereinten Nationen. Weltweit
übertragen wurde auch der tosende Applaus von
wohl drei Vierteln der UNO-Delegierten, der
Willkommensgruß der brasilianischen Präsidentin
Dilma Roussef an das Palästinensische Volk, so
wie auch die im Plenum hör- und spürbare
Ablehnung, die der israelische Premier
Netanjahu mit seiner unversöhnlichen Rede
erntete.
Zwar wurde der Traum eines Staates Palästina
vorläufig auf's Eis gelegt, doch wird dieses
bald schmelzen, werden die Radikalen den
Nahostkonflikt gewaltig anheizen und sind
deshalb weitere Kriege in der Region
vorprogrammiert.
Als wollten die Zionisten Öl ins Feuer gießen,
erteilte die israelische Regierung am 26.9. den
Auftrag zum Bau von 1100 weiteren Wohnungen in
Ostjerusalem. Am 28.9. trat der
UNO-Sicherheitsrat zusammen, um über den
beantragten Palästinenserstaat zu befinden. Bis
zur entscheidenden Abstimmung können Monate
vergehen. Für ein positives Votum in diesem
Gremium benötigen die Palästinenser 9 der 15
Stimmen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben 6
bereits zugesagt, 7 noch nicht entschieden.
Kolumbien will sich der Stimme enthalten.
Angesichts des drohenden Staatsbankrotts der USA
drängen die Neokonservativen, der
militärisch-industrielle Komplex und die Wall
Street nach wohlbekannter amerikanischer
Tradition einen neuen Krieg zu entfachen.
Weil der Konflikt zwischen ISRAEL und seinen
ARABISCHEN NACHBARN zu einem Glaubenskrieg um
unvereinbare religiöse Dogmen und Prinzipien
ausgeartet ist, sind Kompromisse ausgeschlossen
und ist deshalb Frieden nicht in Sicht. Die Zeit
arbeitet für die Araber, die über eine
Wunderwaffe verfügen, gegen die es keine
Gegenwehr gibt. Sie ist keine
Massenvernichtungswaffe, sondern eine
Massenvervielfältigungswaffe, nämlich die
Demographie. Sollte Israel seine Grenzen
öffnen, würde es ethnisch, wirtschaftlich und
daher auch politisch verschluckt werden. Es
kann daher nur schwer bewaffnet und
hochgerüstet hinter Mauern und Stacheldraht
überleben, aber nur solange, als die reiche
Diaspora und einige Christenstaaten beiderseits
des Atlantik noch imstande und willens sind,
für Israels Weiterbestehen zu zahlen.
Die Lage, in der sich ISRAEL jetzt befindet,
gleicht fatalerweise dem Zustand, in dem sich
das christliche Königreich Jerusalem vor 800
Jahren im selben Land befand: Ohne Hilfe des
Papstes, katholischer Herrscher in Europa und
reichlicher Spenden von Christen aus aller
Welt, war dieser Kunststaat nicht lebensfähig.
Jedes Schlachtroß, jeder Hufnagel, jedes
Burgfräulein, jede Flasche Bordeaux, mußten aus
dem Abendland importiert werden. Von den
Zinnen ihrer Ritterburgen herab blickten Adel,
Ritter und Mönche mit maßloser
Überheblichkeit auf die Ungläubigen herab
und dachten nicht im Traum daran, sich im
Heiligen Land als friedliche Nachbarn
einzubringen. Nicht anders verhalten sich die
Zionisten. Das Königreich Jerusalem währte
ganze 80 Jahre; der Zionistenstaat feierte
heuer sein 63-jähriges Bestehen.
Und wie steht es um uns europäische glückliche
Sklaven?
Für kommende politische Umwälzungen, militärische
Auseinandersetzungen sowie allerlei Spannungen
im Maghreb, Maschrek und vor allem rund um das
Pulverfaß Nahost, ist also weiterhin gesorgt.
Deutschland, das sich strengster Neutralität im
Nahostkonflikt befleißigen sollte, hat vor
wenigen Wochen das sechste U-Boot der
Delfin-Klasse an Israel ausgeliefert, und
Österreich entsendet 160 Hiwis zur
Friedenswacht in das Land der Zedern.
Wie es scheint, ist es auf Grund des freiwilligen
Abtretens der an unheilbarem
Geburtenrückgang leidenden, zu keiner
souveränen Außen-, Wehr-, Wirtschafts-, Finanz-
und Kulturpolitik, geschweige denn zu einer
heroischen Tat mehr willigen und fähigen
europäischen Völker vorgezeichnet, daß wir
Europide - wenn kein Wunder geschieht -
unserem demographisch vorbestimmten Verlöschen
genauso schicksalsergeben, passiv und
tatenlos entgegenvegetieren werden, wie
einstmals die letzten Tasmanier und Mohikaner
auch.
Ich, für meinen Teil, meine Damen und Herren,
gestehe, daß ich an dieses Wunder glaube.
Richard Melisch
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