Koscher und politikfähig

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001,
also der Zeit, als der Westen noch auf der Suche
nach einem neuen Feindbild war, erscheinen immer
mehr Seiten im Weltnetz, die sich gegen den
Islam richten. Mit der sich ständig
wiederholenden Botschaft, der Islam stelle für
Israel und Europa gleichermaßen eine Bedrohung
dar, wird die Schlußfolgerung gezogen, Israel
sei der natürliche Verbündete Europas und würde
daher eine „moderne europäische Rechte“, die
sich gegen die Islamisierung Europas wende,
unterstützen. Allen voran wird diese Linie beim
Nachrichtenportal Politcally Incorrect (PI) zur
Schau gestellt, das sich selbst als
„proamerikanisch, proisraelisch und gegen die
Islamisierung Europas“ verortet. Die auf ihr
geschalteten Werbeanzeigen sprechen für sich;
hierunter finden sich einschlägige Bücher zum
Thema Islam, die Wochenzeitung Junge Freiheit,
Die Konservativen e.V., Patrik Brinkmann und die
extremistische Jüdische Verteidigungsliga.
Wie das Magazin Volk in Bewegung 2009
dokumentierte, hat sich im Laufe der letzten
Jahre ein zunächst informeller Pakt entwickelt,
der sich vom Vlaams Belang (Belgien) über die
British National Front (Britannien) bis hin zur
Freiheitlichen Partei Österreichs erstreckte.
Inzwischen haben sich auch mehrere kleinere
politische Gruppierungen in der BRD dieser
»Europäischen Allianz« angeschlossen. Rigolf
Hennig sieht im Wesentlichen drei Aspekte, unter
denen dieses Zusammenspiel funktionieren soll:
1) Die nationale/patriotische Gruppe oder Partei
sollte zeigen, daß sie sich vom Drittem Reich
und vom Revisionismus distanziert und sich statt
dessen auf die Bekämpfung der Islamisierung
Europas konzentriert.
2) Die nationale/patriotische Gruppe oder Partei
übt keine Kritik (mehr) an der Politik Israels
und am Zionismus.
3) Als Gegenleistung winkt der
nationalen/patriotischen Gruppe oder Partei eine
Medienpräsenz mit relativ objektiver
Berichterstattung – im Klartext: Sie wird in den
Stand der „Politikfähigkeit“ erhoben. Damit
würde die Sackgasse der Nationalen/Patrioten
überwunden werden, der Weg in die Parlamente
stünde offen.
Wir wollen im folgenden dieses mittlerweile
offenkundige Zusammenspiel europäischer
Rechtsparteien mit israelischen Interessen, oder
anders ausgedrückt: die zionistische
Einflußnahme auf gemeinhin als „rechts“
bezeichnete nationale und patriotische Gruppen
und Parteien Europas, als Israel-Connection
bezeichnen.
Die Israel-Connection
Seit jeher kommt die Solidarität mit Israel von
prozionistischen, fundamentalistisch
christlichen Gruppen in den USA. Sie
unterstützen den Zionistenstaat bedingungslos
und rechtfertigen israelische Verbrechen, die
sie freilich als solche nicht bezeichnen,
sondern sie entweder rechtfertigen oder gar
begrüßen. „Christlicher Zionismus“ wird diese
rasch wachsende Bewegung genannt, der bereits
Zehntausende konservativer Christen vor allem im
Süden und Mittleren Westen der USA angehören.[i]
Mittlerweile ist jedoch eine prozionistische
Parteinahme auch von europäischen Gruppen
festzustellen, die vom systemerhaltenen
Establishment allerdings noch als „rechtsextrem“
stigmatisiert werden. In der Regel widerspiegelt
sich deren Unterstützung entweder in offenen
Solidaritätserklärungen mit Israel oder aber
indirekt in Aktivitäten gegen die muslimische
Glaubensgemeinschaft. Die flämische
nationalistische Partei Vlaams Belang
beispielsweise betreibt seit einigen Jahren eine
ausgesprochen projüdisch bzw. proisraelisch
ausgerichtete Politik, die dadurch
gekennzeichnet ist, gegen den Islam und gegen
den Bau von Moscheen in Belgien gerichtet zu
sein. Für dieses Engagement wird die Partei
nicht zuletzt auch bei Wahlen von den jüdischen
Gemeinden vor allem in Flandern unterstützt.
Ähnliches ist auf der britischen Insel zu
beobachten. Auch die British National Party
stellt sich aktiv gegen den Islam in Britannien
und betrachtet Muslime generell als Quelle
terroristischer Aktivitäten.
Die
Durchführung des Planes, »rechte« Parteien für
die Interessen des Zionismus einzuspannen, nimmt
seit geraumer Zeit deutlich an konkreter Form
zu. 2006 gründete der schwedische
Aktienspekulant Patrik Brinkmann eine angeblich
kulturellen Zwecken dienende Kontinent Europa
Stiftung (KES), um nationale/patriotische
Vordenker in Europa zu bündeln. Nach
vergeblichen Versuchen, sowohl bei der NPD als
auch der DVU Fuß zu fassen, landete Brinkmann,
der, vieles deutet darauf hin, seine Reden und
Schriften von einem Ghostwriter, namentlich dem
Mitinitiator und Vorstandsmitglied der KES,
Andreas Molau, schreiben läßt,[ii] bei der
Pro-Bürgerbewegung. Bemerkenswert ist, daß es
2009 interessierten Kräften fast gelungen wäre,
Molau zum Vorsitzenden der NPD zu machen. Nach
dessen Scheitern versuchte Molau sich kurze Zeit
bei der DVU, um dann ebenfalls bei der
Pro-Bürgerbewegung zu landen. Gerade an den
Äußerungen Brinkmanns zeigt sich, daß viele
Prozionisten oder Israelfreunde über ein
komplexes Weltbild auf fundamentalchristlicher
Grundlage verfügen. Auffallend ist daran, daß
sie sich ganz offen zu den Wurzeln des
Christentums bekennen und daraus ihre Forderung
nach Sympathie für das jüdische Volk ableiten.
Im Juli 2007 erschien in Frankreich ein Buch aus
der Feder des bis zu diesem Zeitpunkt als
Vordenker der französischen Neuen Rechten
zählenden Publizisten Guillaume Faye mit dem
bezeichnenden Titel La Nouvelle Question Juive.
Die allgemeine Grundaussage des Werkes ist, daß
der jüdische Geist in der Nähe des Hellenischen
stünde, der einzige Feind Europas der Islam sei
und der Revisionismus aus einer methodologischen
Absurdität bestünde und deshalb abzulehnen sei.
Zudem thematisiert Faye in seinem Buch öfters
den Holocaust bzw. die Shoah. Wenige Monate
später, im September 2007, erschien in
Deutschland - verlegt von der KES - unter dem
Pseudonym Gideon Harvey das Buch Feindliche
Übernahme? Der Kampf des Islams um Europa. Das
Werk ist, seinen Kritikern nach zu urteilen,
»intellektuell grotesk und weltanschaulich
haarsträubend, ein unbeholfener Mischmasch aus
Greuelpropaganda und biblischem
Fundamentalismus«. Tatsächlich wiederholt Harvey
nicht nur die bekannten Mutmaßungen und
Ergebnisse aus der etablierten
Zeitgeschichtsschreibung, er übertrifft diese
insofern, als das Werk kritiklos dem
Philosemitismus eine Bresche schlägt.[iii]
Retter Europas?
Der Bürgerbewegung Pro Köln geht es wie
Brinkmann in erster Linie um die religiöse
Dimension der Zuwanderung, und nicht um die
ethnische. Das Abstammungsprinzip spielt in der
Programmatik der Fundamentalchristen und
Rechtspopulisten keine Rolle. So erklärte Judith
Wolter, Fraktionsvorsitzende der Bürgerbewegung
Pro Köln/NRW im Rat der Stadt Köln, in dem
Kurzfilm Pro Köln über Rassismusvorwürfe: „Jeder
Ausländer, der sich hier integriert, ist von uns
ganz herzlich willkommen. Wir haben auch
Ausländer in unseren Reihen und sind sehr froh,
daß diese mit uns für den Erhalt unserer
kulturellen Identität eintreten. Das begrüßen
wir ausdrücklich.“ Pro Köln setzt sich also
nicht vorrangig für die Erhaltung bzw.
Wiederherstellung eines ethnisch möglichst
homogenen Volkskörpers ein, sondern
klassifiziert Ausländer in
»integrationsunwillige«, die der „Gesellschaft“
schaden, und „integrationswillige“, die sogar im
Kampf »für den Erhalt unserer kulturellen
Identität« von Nutzen sein könnten. Diese
Positionierung ist, wie Judith Wolter in dem
Film Hat Pro Köln doch recht? bekennt, auch der
Hauptgrund für die Ablehnung des Baus einer
Großmoschee in Köln: »Wir sind vor allem deshalb
gegen den Bau dieser Großmoschee, weil wir der
Auffassung sind, daß die Integration hierdurch
hintertrieben wird. Die Parallelgesellschaft
erfährt hierdurch eine Verfestigung und das ist
nicht im Sinne eines gedeihlichen
Zusammenlebens«. Der Vorsitzende der
Pro-Bürgerbewegung, Markus Beisicht, bestätigte
in einem Interview mit der Wochenzeitung Junge
Freiheit im September 2008 ausdrücklich sich für
die Integration von Ausländern einzusetzen.
Der vermeintliche Kampf zwischen Christentum und
Islam ist die zentrale Komponente im Denken der
Protagonisten dieser Bürgerbewegung. Nicht etwa
das liberalkapitalistische System, das ja erst
die Voraussetzungen für die millionenfache
Masseneinwanderung geschaffen hat, wird als
Feind deklariert, sondern die moslemische
Religion. Der Islam ist der alleinige Sündenbock
für multikulturelle Kriminalität, für
Parallelgesellschaften und gescheiterte
Integration. Anstatt die wahren Verursacher von
Überfremdung und kultureller Zersetzung des
Abendlandes klar zu benennen und zu bekämpfen,
wird allein ein vermeintlicher
Weltherrschaftsanspruch des Islam ins Feld
geführt, den es abzuwehren gelte. Dabei biedern
sich die Pro-Protagonisten unverhohlen der
Israel-Lobby an und nehmen so am Spiel der
Globalisten teil, deren Ziel unter anderem die
Auflösung der völkischen Identität der
europäischen Nationen ist. Ins Bild passen
dementsprechend Pro-Aktivisten, die auf
Veranstaltungen Israel-Fahnen und proisraelische
Banner (Unsere Freiheit wird in Israel
verteidigt!) schwenken.
Vertretung zionistischer Interessen
Noch deutlicher wird die Interessenvertretung
Israels bzw. die Vertretung zionistischer
Positionen durch den Vorsitzenden der
niederländischen Partij voor de Vrijheid
(Freiheitspartei), Geert Wilders, der als
Jugendlicher einige Jahre in israelischen
Moschawim verbracht hat und seither den
Zionistenstaat regelmäßig besucht, dort als
Redner auftritt und einschlägig Stellung
bezieht. Bei einer Rede auf einer Konferenz der
zionistischen Hatikva-Partei Mitte Januar 2011
beispielsweise rief er dazu auf, den
Siedlungsbau zu verstärken: Die Bauarbeiten
müßten fortgesetzt werden, damit Israel eine
Grenze erhalte, die zu verteidigen sei,
behauptete Wilders. Die jüdischen Siedlungen im
Westjordanland seien kein Hindernis für den
Frieden. Sie seien vielmehr Ausdruck des
jüdischen Rechts, in diesem Land zu leben. [iv]
Vom 14. bis zum 15. Dezember 2008 fand in
Jerusalem ein sogenannter
Anti-Islamisierungskongreß statt. Gastgeber war
Aryeh Eldad, seines Zeichens Vorsitzender der
Hatikva-Partei, welche den vierten Teil des
ultranationalistischen Parteizusammenschlusses
National Union bildet. Wilders bezeichnete
Jerusalem als »Hauptstadt der einzigen
Demokratie im Nahen Osten« und fuhr in für
bundesdeutsche Ohren nicht unbekannter Weise
fort, Israel sei »das einzige Land in der Region
mit einem funktionierenden Parlament, mit einem
Rechtsstaat und freien Wahlen. Das einzige Land
in der Region, das die Werte unserer westlichen
Gesellschaft teilt und tatsächlich eine der
Grundfesten unserer jüdisch-christlichen
Identität ist.«
Unsere Identität! Wilders verortet - wenn auch
wohl philosophisch gemeint - die Vorfahren und
die Ursprünge der Niederländer und anderer
europäischer Völker nicht etwa bei den Kelten
und Germanen, sondern allen Ernstes im Orient:
»Wir tragen Jerusalem alle in unserem Blut, in
unseren Genen. Wir alle leben und atmen
Jerusalem. Wir sprechen Jerusalem, wir träumen
Jerusalem. Einfach, weil die Werte des alten
Israels zu den Werten des Westens geworden sind.
Wir alle sind Israel und Israel ist in uns
allen.« Wer angenommen hatte, dieser Fauxpas
könne nicht mehr übertroffen werden, wurde rasch
eines besseren belehrt: »Dank der israelischen
Eltern, die zusehen, wie ihre Kinder zur Armee
gehen und die deswegen nachts wach liegen,
können Eltern in Europa und Amerika gut schlafen
und süße Träume haben – unbewußt der lauernden
Gefahren.“[v]
Trotz dieser irrigen und pathetischen Ergüsse
kann Wilders die Problematik der Überfremdung
der Niederlande und Europas etwas sachlicher
darstellen. Zur Masseneinwanderung erklärt er,
daß jährlich »eine gigantische Anzahl neuer
Immigranten« ankäme, »viele von ihnen sind
Muslime, oft ohne Ausbildung, wenn nicht sogar
Analphabeten. Sie bringen ihre lokalen Gebräuche
aus den Bergen und Wüsten ihrer rückständigen
islamischen Herkunftsländer mit.« Dieser massive
Zustrom bringe »viele Probleme mit sich: Die
Immigranten sind bei den
Sozialleistungsbeziehern und in den
Kriminalstatistiken überrepräsentiert und
überall explodieren die Kosten«. So weit, so
gut! Nur, welche Folgerungen zieht Wilders aus
dieser Bestandsaufnahme? »Wie soll Amsterdam die
homosexuelle Hauptstadt Europas bleiben, wenn
Schwule regelmäßig von nicht-westlichen
Zuwanderern verprügelt werden, oft von Muslimen?
Wie sollen die jüdischen Gemeinschaften in
Europa überleben bei einer wachsenden Präsenz
einer Ideologie, die dermaßen offenkundig
antisemitisch ist?“ Auf diese Problematik
aufbauend schlußfolgert er, daß „unsere
westlichen Prinzipien« ausgehöhlt würden, wenn
»wir« uns nicht besännen, »wer wir sind und
woher wir kommen« - womit sich der Kreis in
Wilders’ Philosophie wieder schließt: „Wir sind
nicht aus Saudi-Arabien. Wir sind nicht aus dem
Iran. Wir stammen aus Rom, Athen und Jerusalem.
Dies macht unsere Zivilisation zu etwas
Besonderem und mit Sicherheit zu etwas, das der
Bewahrung wert ist.“ [vi]
Obgleich Wilders Umfang und Auswirkung der
zunehmenden Überfremdung durchaus richtig
formuliert, sieht er nicht etwa in der
Zuwanderung von Millionen Menschen aus fremden
Kulturen und Ethnien die Gefahr für den
Fortbestand europäischer Völker. Mit Schwulen
aus Arabien oder Christen aus Nigeria dürfte er
keine Probleme haben. Wilders, wie die
„Politikfähigen“ von den BRD-Patrioten der
Pro-Bürgerbewegung bis zur British National
Front, „setzen sich für ›Integration‹ ein und
verkennen dabei, daß es das gegenwärtige
Politik- und Gesellschaftssystem ist, das erst
die millionenfache Einwanderung von Angehörigen
fremder Kulturkreise und damit auch die
diesbezüglichen Probleme für die europäischen
Völker ermöglicht hat.“
[vii]
So geht es diesen Kräften nicht um den Schutz
und Erhalt der europäischen Völker als ethnisch
gewachsene, homogene Gemeinschaften, sondern um
die Verteidigung »unserer jüdisch-christlichen
Identität«. Sie stehen nicht „für eine
europäische Wiedergeburt, sondern für die
Zementierung des liberalkapitalistischen Status
Quo in Europa.« Es ist bezeichnend, daß führende
Vertreter des organisierten politischen
Judentums in Deutschland, die Einwanderung von
fremden Massen nach Deutschland befürwortet,
gleichzeitig aber an Israel gänzlich andere
Maßstäbe ansetzt. So erklärt beispielsweise
Michel Friedman auf die BRD bezogen: „Ich
plädiere für eine multikulturelle Gesellschaft“.
[viii] Der bekannte israelische Friedensaktivist
Oren Medicks wiederum erklärt, daß Israel selbst
aber nicht im geringsten interessiert ist, in
einen multikulturellen, demokratischen und
weltlichen Staat transformiert zu werden.
[ix]
Ähnlich wie Wilders mimt Brinkmann den
Kulturphilosophen und behauptet, daß zur
europäischen Identität „notwendiger Weise auch,
neben dem griechischen, dem germanischen und dem
römischen Erbe, das Jüdisch-Christliche Element«
dazugehöre. Darüber hinaus sei er »sehr froh,
daß wir mit dem Buch Feindliche Übernahme von
Gideon Harvey hier selbst schon vorher als
Eisbrecher tätig werden konnten.« Wer „seine
eigenen Wurzeln“ verteidige, philosophiert er
fort, könne „sie nicht selbst abschneiden. Die
Bekämpfung des jüdischen Elements, wie sie von
einem Teil der alten Rechten aber noch immer
betrieben“ werde, sei „eben am Ende ein Kampf
gegen sich selbst.“ Spätestens an dieser Stelle
dürfte nicht wenigen Lesern ein Wort Friedrich
Nietzsches einfallen: „Das Christenthum, aus
jüdischer Wurzel und nur verständlich als
Gewächs dieses Bodens, stellt die Gegenbewegung
gegen jede Moral der Züchtung, der Rasse, des
Privilegiums dar: es ist die antiarische
Religion par excellence.“[x] Brinkmann
(Originalton: „Der Islam zeigte hier sein
haßerfülltes Gesicht“) endet seine Ausführungen
allen Ernstes mit der Forderung: „Die
islamischen Gemeinden haben sich ausdrücklich zu
den Grundwerten unseres Grundgesetzes zu
bekennen, unserem Lebensstil anzupassen und sich
vom Koran zu distanzieren. […] Kein Halal
geschlachtetes Fleisch darf auf dem Berliner
Markt angeboten werden.“[xi] Es ist selbstredend
davon auszugehen, daß hingegen Juden weiterhin
schächten und koscheres Fleisch feilbieten
dürfen. Wie in diesem Komplex ohnehin mit
zweierlei Maß gemessen wird! So sei Wilders
zufolge, „der Koran kein staubiges, altes Buch“
sondern "Quelle der Inspiration« und diene „als
Rechtfertigung von Haß, Gewalt und Terrorismus“.
[xii] Könnte man dasselbe, und das aus gutem
Grund, aber nicht auch über den Talmud und den
Schulchan aruch sagen? [xiii]
Die Marschrichtung ist eindeutig vorgegeben
Zu den Vertrauten des Vorsitzenden der FPÖ,
Heinz-Christian Strache, zählt David Lasar,
Gesundheitssprecher der FPÖ und Mitglied der
Israelitischen Kultusgemeinde, welche als die
österreichische Variante des Zentralrat der
Juden in Deutschland zu sehen ist. Nicht ohne
Stolz verkündete er schon im Vorfeld, bereits
einige IKG-Mitglieder für die FPÖ angeworben zu
haben. Selbstverständlich unterstütze er als
Generalsekretär der Likud-Fraktion in der
Kultusgemeinde die Regierungskoalition in Israel
und deren restriktive Haltung in der
Palästinenserfrage „voll und ganz“. [xiv]
Entsprechend herzlich war denn auch der
»Informationsbesuch« bei israelischen Siedlern:
»Wir sind froh über diesen Besuch aus Europa,
damit mehr Menschen unsere Situation verstehen«,
erklärte Elykaim Haetzni, ein 1926 in Kiel als
Georg Bombach geborener zionistische Aktivist
(Haganah und Tehiya-Partei) und Gründer der
jüdischen Siedlerbewegung an der Westbank.[xv]
Übertroffen wurden die Treffen mit
»Persönlichkeiten und Intellektuellen« in Israel
nur von Geert Wilders, der bereits mit
Außenminister Avigdor Lieberman zusammentraf,
der, wie in Machtfaktor Zionismus detailliert
dargelegt wird, mit Recht als Faschist zu
bezeichnen ist.
Selbstverständlich ist die bloße Tatsache, daß
in besagten »modernen Rechtsparteien« auch
jüdische Mitglieder aktiv sind, nicht
verwerflich. Es ist in der Vergangenheit in
genügendem Maße darauf hingewiesen worden, Juden
nicht über einen Kamm zu scheren. Nur zur
Erinnerung: Zu den schärfsten Gegnern des
zionistischen Regimes in Israel zählen gerade
Juden. Entscheidend ist die politische
Ausrichtung der Aktivisten in besagten Parteien.
Es ist deshalb aufschlußreich feststellen zu
müssen, daß es sich bei ihnen ausschließlich um
prozionistische Akteure handelt. Dieser Umstand
wiederum ist ein deutlicher Indikator dafür,
inwiefern die hier in Rede stehenden Parteien
einen Kurswechsel oder Richtungsschwenk
vorgenommen haben. Patricia Richardson, die als
Ratsmitglied und Vorsitzende der BNP-Fraktion im
Londoner Bezirk Loughton agiert, erklärte im
April 2008, daß sie gerade als Jüdin von der
zunehmenden Islamisierung des Landes betroffen
sei und sich niemand außer der BNP gegen diese
ausspreche. Folglich wachse die
Dialogbereitschaft zwischen Juden und der BNP,
deren Website, so Ruth Smeed, vom Board of
Deputies of British Jews - vergleichbar mit dem
Zentralrat der Juden in Deutschland – „jetzt
eine der zionistischen im Netz“ sei. Sie ginge
bezüglich der Unterstützung Israels weiter als
jede Internetseite der etablierten Parteien.[xvi]
Jüdische Vorfahren zu haben, zählt offenbar als
Bonus unter den »modernen Rechten«. Wie sonst
ist es zu erklären, daß bekanntere Protagonisten
dieser Richtung mit ihrer Abstammung regelrecht
hausieren gehen? Was bezwecken sie damit? Patrik
Brinkmann berichtet beispielsweise: „Ich selbst
habe in meiner Familie ein tragisches Schicksal.
Meine Großmutter hatte in den dreißiger Jahren
ihre große Liebe gefunden: Ihr großes Pech für
damalige Verhältnisse, der Mann war Jude. Das
noch größere Problem aus damaliger Sicht: 1937
entstand aus dieser Beziehung ein Mädchen. Der
jüdische Vater wurde später in ein
Konzentrationslager verbracht und dort
ermordet.“
[xvii]
Auch Andreas Molau hatte sich bereits im
November 2004 gegenüber der National-Zeitung
nicht ohne Stolz zum jüdischen Anteil seiner
Vorfahren bekannt als er von der Verhaftung
seines Onkels Günther Molau berichtete, dem 1943
als »Vierteljude« der weitere Bildungsweg
versperrt worden sei. Aussagen im Weltnetz
zufolge soll sich Molau nach diesem „Outing“
damit gar gebrüstet haben, daß seine Familie im
III. Reich „rassisch verfolgt“ worden sei.
Der Generalsekretär von Pro-NRW, Markus Wiener,
trägt zumindest einen ehrwürdigen jüdischen
Nachnamen. Er teilt diesen mit Jacob Wiener, der
aus dem niederrheinischen Dorf Hoerstgen stammt
und als Gründer der ersten Briefmarke Belgiens
gilt. Nebenbei bemerkt, bezeichnet sich der
Vorsitzende der Bürgerbewegung Pro Deutschland,
Manfred Rouhs, ehemaliger Herausgeber des
patriotischen Magazins Signal, in der er noch
Anfang dieses Jahrhunderts klare prodeutsche und
BRD-kritische Stellungnahmen vertrat, auf
Facebook nun als ein „Israel Online Ambassador“.
Auf der offiziellen Netzseite der Bürgerbewegung
Pro Deutschland beklagt sich der virtuelle
Botschafter Israels Rouhs denn auch darüber, daß
in Deutschland das Wort Jude als häufiges
Schimpfwort gebraucht werde. [xviii]
Keinen genealogischen Zweifel gibt es wiederum
bei Kent Ekeroth, der Vertreter der
Schwedendemokraten, die mit Strache und Filip
Dewinter Anfang Dezember 2010 nach Israel
gereist waren. Wie die PI-News sich in Lob
ergehen, sei Ekeroth während der Reise nach
Jerusalem »durch kluge Statements und klar
formulierte Reden« aufgefallen. Selbst ein Jude,
sei der Nachwuchspolitiker »angenehm
pragmatisch, sachlich und rational denkend, ein
tief überzeugter Islamkritiker und Verteidiger
Israels. [xix]
Reise nach Jerusalem
Der Parteivorsitzende der FPÖ, Heinz-Christian
Strache reiste also unter anderen mit dem Wiener
Gemeinderat David Lasar, dem Ex-Volksanwalt
Hilmar Kabas und dem
Europaparlamentsabgeordneten Andreas Mölzer nach
Israel. Der Generalsekretär der FPÖ, Harald
Vilimsky, stellte immer wieder in den
Vordergrund, daß die Delegation eine „offizielle
Einladung“ angenommen habe, welcher Strache „mit
erhobenem Haupt“ gefolgt sei. Ziel dieser Reise
sei es gewesen, einerseits ein »reales Bild vor
Ort« zu gewinnen und andererseits eine
internationale Konferenz zum Thema „Islamismus
und Terrorismus“ zu besuchen.[xx]
Schon die Wahl der Gesprächspartner und
Reiseziele führt dieses angebliche Ansinnen ad
absurdum. Zu den »objektiven« Quellen, den
Informationsdurst zu stillen, gehörten unter
anderen Rabbi Nissim Zeev von der
ultraorthodoxen zionistischen Shas-Partei und
der Bürgermeister von Ariel, Ron Nachman, ein
ehemaliger Likud-Abgeordneter der Knesset. Die
Delegation besuchte außerdem eine Panzerbrigade,
passenderweise als Außenposten am Gazastreifen
stationiert, die jüdischen Siedlungen in der
Westbank und die Holocaust-Gedenkstätte Yad
Vashem.[xxi]
Nicht besucht wurden Palästinenser und keine
Gespräche wurden mit Vertretern israelischer
Menschenrechtsgruppen, Antizionisten oder
nichtzionistischen Geistlichen geführt.
Bei der vorgegebenen Einseitigkeit entsprechen
die Auslassungen des FPÖ-Chefs durchaus den
Erwartungen. Israel, so Strache, sei ein Land,
»zu dem wir Europäer eine besondere Beziehung
haben und für das wir eine besondere
Verantwortung tragen«. Schließlich sei dieses
Land in der Hauptsache »gegründet und aufgebaut«
worden von Menschen, »die aus Europa kamen« und
die »auf diesem geschichtsträchtigen Boden«,
einen »neuen Staat errichtet und ihn zu einer
blühenden Gemeinschaft entwickelt« hätten.
Strache betonte: »Die Freiheitliche Partei
Österreichs bekennt sich voll und ganz zum
Existenzrecht Israels. Auch Israels Recht zur
Selbstverteidigung wird von uns nicht in Frage
gestellt.« Israel stehe heute wie die gesamte
westliche Welt einer Bedrohung gegenüber:
namentlich dem radikalen Islamismus: „Gegenüber
dieser extremistischen Ausprägung einer
Religion, welche politisch mißbraucht wird, kann
und darf man nicht neutral sein“, suggerierte
der FPÖ-Chef, denn diese Ideologie (!) stehe
„den christlich-jüdischen Wurzeln des
europäischen Abendlands diametral und
unvereinbar entgegen. Bewußt eingeschleuste
Hassprediger“, so wußte Strache nachzuplappern,
„propagieren in Moscheen den Heiligen Krieg.“
Ein „solches mittelalterliches Glaubensbild“
dürfe „aber in unserer westlichen
Wertegemeinschaft, der auch Israel angehört,
keinen Platz haben.“ Strache endete seine
religionsphilosophischen Ausführungen mit einem
prozionistischen Bekenntnis: „Israel wird in uns
immer einen Freund und Dialogpartner haben, denn
dieses Land ist durch das Band der gemeinsamen
christlich-jüdischen Werte untrennbar mit Europa
verbunden. Israel ist ein wichtiger befreundeter
Staat Österreichs. Ich wiederhole es noch einmal
nachdrücklich, daß wir uns voll und ganz zum
Existenzrecht Israels innerhalb sicherer und
völkerrechtlich gültiger Grenzen
bekennen.“[xxii] Diesen unflektierten Äußerungen
eines Oppositionspolitikers (!) unterscheiden in
nichts von fast wortgleichen Bekundungen anderer
Repräsentanten des Systems, wie Angelika Merkel,
Joschka Fischer, Christian Wulff, Guido
Westerwelle, Ursula Plassnik oder irgendeines
anderen Repräsentanten des politischen Systems
der BRD oder Österreichs.
Nicht ein einziges Wort der Kritik, nicht ein
einziger Anflug des Zweifels ergriff die
freiheitlich-konservativen Jerusalem-Reisenden,
was nicht gerade ihren fundierten Wissenstand
über die Verhältnisse in Israel unterstreicht.
Israel, die »einzige Demokratie im Nahen Osten«!
Die Reiseteilnehmer kamen ausschließlich mit
zionistischen Vertretern zusammen, deren
politische Parteien die Palästinenser nicht
anerkennen, im Gegenteil, für die sie nur
Ungläubige und Tiere sind, die man getrost
vertreiben und ausrotten sollte. (Anmerkung der
Redaktion: Entsprechende Beispiele sind in den
Büchern des Verfassers Judenfragen und
Machtfaktor Zionismus dokumentiert.) Niemand von
Straches Reisetruppe hat den zionistischen
Siedlern widersprochen, die den Boden, auf dem
die völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen
errichtet wurden/werden, überheblich als
»israelischen« oder gar »jüdischen Boden«
bezeichnet haben. Die völkerrechtswidrige Land-
und Seeblockade von Gaza, der kürzlich
ausgeführte israelische Überfall auf die Mavi
Marmara, bei der türkische Zivilisten gezielt
mit Kopfschuß ermordet wurden, ein Verbrechen,
das keinerlei Konsequenzen seitens der
internationalen »Staatengemeinschaft« nach sich
zog,[i][xxiii]
berührte keinen der Reisenden.
Selbstverständlich stand ein Besuch der
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem auf dem
Reiseplan - daß im selben Gebiet Ende der 1940er
Jahre ganze arabische Dörfer dem Erdboden
gleichgemacht und ihre angestammte arabische
Bevölkerung von zionistischen Terroristen bzw.
Untergrundarmee vertrieben und ermordet wurden,
um die Gründung des Staat Israels, die „einzige
Demokratie im Nahen Osten“ in die Tat
umzusetzen, interessierte keinen der
reiselustigen Freiheitlichkonservativen.
Im Gegenteil, unter ihnen befand sich
bekanntlich auch der Vorsitzende der
Bürgerrechtspartei für mehr Freiheit und
Demokratie (Die Freiheit), René Stadtkewitz, der
im Überschwang an die Öffentlichkeit trat: „Im
Anschluß an den Besuch in der Knesset fuhren wir
ins Gush-Kativ-Museum. In diesem Haus werden
Erinnerungen an das jüdische Leben im
Gaza-Streifen bewahrt. „Die Dokumente“, so
erklärt der Lokalmatador aus Berlin, „zeigen die
abgerissenen und zerstörten Siedlungen und
belegen den historischen Fehler Israels, sich
aus dem Gaza-Streifen zurückzuziehen.“ Unter
völliger Verkennung der geschichtlichen
Tatsachen behauptet Stadtkewitz: „Wir haben in
Sderot erfahren, wie schrecklich es ist, unter
ständigem Raketenbeschuß aus dem praktisch
freiwillig übergebenen Gazastreifen zu leben.
Aus diesem Grund halten wir es für falsch, auch
nur einen weiteren Millimeter weiter zurück zu
weichen“. Worte, die bei Gastgeber Hillel Weiss,
einem radikalen Zionisten, auf fruchtbaren Boden
fielen: Zum Abschluß der Reise, so freut sich
Stadtkewitz, durfte er während einer
Hanukkah-Zeremonie „persönlich eine Kerze
anzünden“. [xxiv]
Jerusalemer Erklärung
Zum Abschluß ihrer Reise unterzeichneten die
europäischen Rechtspolitiker die sogenannte
Jerusalemer Erklärung, deren Wortlaut von
FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache,
dem Vlaams-Belang-Vorsitzenden Filip Dewinter,
von Kent Ekeroth (Schwedendemokraten) und von
René Stadtkewitz (Die Freiheit) formuliert und
veröffentlicht worden ist. In dieser Erklärung
heißt es unter anderen: »Die Grundlage unserer
politischen Tätigkeit ist unser unverbrüchliches
Bekenntnis zu Demokratie und freiheitlichem
Rechtsstaat, zu den Menschenrechten im Sinne der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, zum
Völkerrecht und zum Wertekanon der westlichen
Zivilisation, der auf dem geistigen Erbe der
griechisch-römischen Antike, der
jüdisch-christlichen kulturellen Werte, des
Humanismus und der Aufklärung basiert. […] Damit
stehen wir an vorderster Front des Kampfes für
die westlich-demokratische Wertegemeinschaft.
[…] Israel als einzige wirkliche Demokratie im
Nahen Osten ist uns wichtiger Ansprechpartner in
dieser bewegten Weltregion. Eine Region, die
sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit
Extremismus und Terror auseinander setzen mußte.
Ohne jede Einschränkung bekennen wir uns zum
Existenzrecht des Staates Israel innerhalb
sicherer und völkerrechtlich anerkannter
Grenzen. Ebenso ist das Recht Israels auf
Selbstverteidigung gegenüber allen Aggressionen,
insbesondere gegenüber islamischem Terror, zu
akzeptieren.
[xxv]
Rund zwei Wochen später, flog auf Einladung von
FPÖ-Bundesparteiobmann Strache der israelische
Vize-Minister Ayoob Kara, der übrigens seinen
Nachnamen mit dem Schöpfer des Schulchan aruch
teilt, nach Wien. Kara, Mitglied des Likud, also
des konservativen Parteienbündnisses in Israel,
erteilte den Freiheitlichen gewissermaßen den
Segen zur Politikfähigkeit: „Ich habe das
Parteiprogramm der FPÖ durchgelesen und habe
keinen Punkt gefunden, der gegen eine
Zusammenarbeit sprechen würde. Man kann also
sagen, daß das Programm der FPÖ koscher ist“.
[xxvi]
Unabhängig von den Jerusalem-Reisenden sprach
Wilders am 5. Dezember 2010 in Tel Aviv einmal
mehr eine deutliche Sprache: »Ich schäme mich
nicht, daß ich zu Israel stehe, sondern ich bin
stolz darauf. Ich bin Israel dankbar. Ich werde
Israel immer verteidigen. Ihr Land ist die Wiege
der westlichen Zivilisation. Wir nennen sie
nicht ohne Grund die jüdisch-christliche
Zivilisation. […] Wenn das Licht in Israel
gelöscht wird, dann werden wir alle in der
Dunkelheit sein. Wenn Israel fällt, dann fällt
der gesamte Westen. Deshalb sind wir alle
Israel. […] Die Zukunft der Welt hängt an
Jerusalem. Wenn Jerusalem fällt, dann werden
Athen, Rom - und Paris, London und Washington –
die nächsten sein. Deshalb ist Jerusalem die
vorderste Front die unsere gemeinsame
Zivilisation schützt. Wenn die Flagge Israels
nicht länger über den Mauern von Jerusalem weht,
dann wird der Westen nicht mehr frei sein. […]
Laßt uns zu Israel stehen, weil die Geschichte
unserer Zivilisation hier begann, in diesem
Land, dem Heimatland der Juden. Laßt uns zu
Israel stehen, weil der jüdische Staat
verteidigbare Grenzen benötigt um sein eigenes
Überleben zu sichern. Laßt uns zu Israel stehen,
weil Israel in der vordersten Linie steht in dem
Kampf um das Überleben des Westens.
[xxvii]
Wie auffallend diese martialischen Worte denen
der Jerusalemer Erklärung ähneln!
Diejenigen, die zwar keine »offizielle
Einladung« erhalten hatten, aber auch gern eine
»Politikfähigkeit« bescheinigt bekommen möchten,
solidarisierten sich kurzerhand ohne gefragt zu
werden mit dem Text. Der Bundesvorsitzende der
Republikaner, Rolf Schlierer, unterstütze »die
von Vertretern freiheitlicher und
islamkritischer Parteien aus mehreren
europäischen Ländern anläßlich einer
Zusammenkunft in Israel verabschiedete
›Jerusalemer Erklärung‹. Das Dokument betone
wichtige Prinzipien, die von
freiheitlich-konservativen Kräften in
Deutschland und ihren europäischen Partnern
geteilt würden«, hieß es in der
REP-Pressemeldung Nr. 85/10 vom 7. Dezember
2010. Die Erklärung belege, „daß es eine
gemeinsame und erfolgversprechende Grundlage für
eine freiheitliche Sammlungsbewegung in
Deutschland gebe, wie sie von den Republikanern
und der Pro-Bewegung angestrebt werde“. [xxviii]
Auch der pro-NRW-Vorsitzende Markus Beisicht
reagierte unverzüglich. Er begrüßte »diese
Initiative der beiden wichtigsten europäischen
Partnerparteien der Pro-Bewegung als weiteren
Beitrag zur Enttabuisierung
freiheitlich-patriotischer Politikansätze in
Europa.« Daß „islamkritische und freiheitliche
Politiker sich auch mit israelischen Politikern
austauschen“, halte er „für einen wichtigen
Schritt. Der Gegensatz, den weite Teile der
Altrechten gegen Israel“ aufbauten, sei überholt
und lenke „von der Bewältigung der heutigen
Probleme ab“. Abgelenkt wird hier in der Tat!
Taler, Taler Du mußt wandern
Hatte die BNP in der Vergangenheit noch auf den
europäischen, weißen Charakter Britanniens
hingewiesen, änderte sich diese Haltung
spätestens Mitte 2009, als ihr Vorsitzende Nick
Griffin erklärte, wenn die schwarzen und
asiatischen Briten (!) „unseren Sitten und
Werten zustimmen, wenn sie hier legal sind, in
unser System einzahlen, unser Land nicht zu
etwas anderem verändern wollen, dann haben wir
mit ihnen überhaupt kein Problem.“
[xxix]
Ganz davon abgesehen, daß der britische
Nationalistenchef das Land seiner Ahnen zum
wirtschaftlichen Standort degradiert und
konsumorientierten, sprich kapitalistischen
Interessen huldigt, sollte es deutlich sein, daß
Millionen von Einwanderern aus
nicht-europäischen Kulturkreisen schon aufgrund
ihrer ethnischen Zugehörigkeit ein europäisches
Land automatisch »zu etwas anderem« machen!
Ähnlich wie die anderen europäischen „modernen
Rechten“ sieht Griffin die gegenwärtige
Überfremdung als ein nicht mehr rückgängig
machendes Fakt an und beweist damit eher eine
fatalistische Sichtweise als realistisches
Politikgespür. Von seiner geschichtlichen
Unkenntnis über dramatische Veränderungen trotz
aussichtsloser Lage einmal ganz abgesehen.
Ein anderes Beispiel, das die wundersame
Entwicklung zur „Politikfähigkeit“ verdeutlicht,
ist Gianfranco Fini, der ehemalige Vorsitzende
der Alleanza Nazionale (AN), die 1995 aus der
neofaschistischen Partei Movimento Sociale
Italiano (MSI) hervorgegangen war. Noch 1994
bezeichnete Fini sein politisches Vorbild Benito
Mussolini als „größten Staatsmann des
Jahrhunderts“. Spätestens mit seiner eigenen
Reise nach Jerusalem im Jahre 2003 änderte er
seine Meinung grundlegend. Fortan beschimpfte er
den Faschismus plötzlich die „Verkörperung des
absoluten Übels“. Im darauffolgenden Jahr wurde
er italienischer Außenminister. Eine ähnliche
„Reinwaschung“ dürfte in Frankreich die Front
National erfahren, die seit dem 15. Januar unter
der Führung von Marine Le Pen steht. Die Tochter
des mehrfach wegen „antisemitischer“ oder
„tendenziell geschichtsrevisionistischer“
Äußerungen verurteilten Jean-Marie Le Pen hatte
in der Vergangenheit bereits angekündigt, das
Verhältnis zu Israel „überdenken“ zu wollen.
Auch Andreas Molau scheint auf dem Pfad der
Läuterung gewandelt zu sein. Im März 2006
erklärte er noch gegenüber der Internetplattform
Muslim-Markt: „Weder der Islam noch eben eine
Kopftuch tragende Muslima ist ein Feindbild für
mich. Den Islam als gewachsene Kultur achte ich.
Wenn eine muslimische Frau bauchnabelfrei in der
Schulklasse herumlaufen würde, hielte ich dies
für abstoßender. Das einzige Feindbild für mich
ist ein alle Kultur zerstörender Amerikanismus.“
[xxx]
Heinz-Christian Strache hatte sich bis dato zu
ganz anderen Wurzeln als den von Wilders,
Brinkmann und jüngst sogar von ihm selbst
suggerierten bekannt. So erklärte er
beispielweise noch im November 2009 beim Kommers
für Korporierte in der Hofburg in seiner
Festrede, die er mit einem kernigen »Heil
Deutsche Burschenschaft in Österreich!« abschloß,
wie stolz er auf »unsere eigene Geschichte, auf
unsere deutsche Sprache« sei und wie sehr er
sich »unserem deutschen Volk verpflichtet«
fühle.
[xxxi]
Auch Andreas Mölzer, der 2009 noch mit Strache
auf den Wahlplakaten vorgab, mit der FPÖ die
einzige Partei zu vertreten, die den EU-Beitritt
der Türkei und Israels ohne Wenn und Aber
ablehne, könnte man zu denjenigen zählen, die
nun mehr »geläutert« sind. So überraschend wie
bei anderen »modernen Rechten« kommt es bei
Mölzer allerdings nicht. Schon vor etwa 10
Jahren diffamierte er die Waffen-SS in der
Kronenzeitung als »blutbefleckte
Prätorianergarde eines verbrecherischen
Systems«. Und auf seiner persönlichen
Internetpräsenz erklärte Mölzer bezüglich der
unter polnischer Verwaltung stehenden
ostdeutschen Gebiete: »Die seit 60 Jahren
bestehenden Grenzen insbesondere auch jene an
Oder und Neiße zwischen Deutschland und Polen
sind unbeschadet dieser historischen Tragödien
im geeinten Europa des 21. Jahrhunderts
natürlich vorbehaltlos anzuerkennen.“[xxxii]
Nach Mölzer müßte dann wohl auch die
Brenner-Grenze „vorbehaltlos anzuerkennen“ sein.
Ebenso wie die Benesch-Dekrete, die bei einer
derartig schiefen Betrachtungsweise bereits
Völkerrechtsgültigkeit erlangt haben dürften.
Der Wiener Schriftsteller Gerd Honsik hat dieser
„politikfähigen“ Haltung Mölzers in einem
Rundbrief im November 2006 eine gehörige Abfuhr
erteilt: „Das Blut muß allen Völkern, die im
Kampfe unterliegen, künftig in den Adern
gefrieren, wenn sie die These des
FPÖ-›Vordenkers‹ Andreas Mölzer vernehmen,
nämlich daß Vertreibung und Völkermord nach
einigen Jahrzehnten verjährt und legalisiert
wären.“ Wer, wie Mölzer, vor St. Germain,
Versailles, Jalta und Potsdam - und es ist
hinzuzufügen, vor allem vor der Nürnberger
Geschichtsschreibung! - bedingungslos
kapituliert, diene einem fremden Herrn.
Die Zeiten, in denen Mölzer als Mitherausgeber
des Jahrbuch für politische Erneuerung der
Freiheitlichen Akademiker verantwortlich
zeichnete, welches unter anderen einen
ausgezeichneten Artikel des kurz darauf in den
Tod getriebenen Politikwissenschaftlers Werner
Pfeifenberger unter dem Titel „Nationalismus und
Internationalismus – eine unendliche
Todfeindschaft“ enthielt, sind jedenfalls
vorbei.
Weltanschauung
Mölzer stellt die Frage, „ob es wirklich
verboten sein“ müsse, „daß eine
national-freiheitliche Bewegung wie die FPÖ eine
Normalisierung ihres Verhältnisses gegenüber
Israel und dem Judentum“ [xxxiii] anstrebe. Gute
Frage! Tatsächlich fragen sich gerade
patriotische und nationalgesinnte Zeitgenossen
vermehrt, was denn so schlimm daran sei, wenn
»die Rechten« gewisse »heilige Kühe«
schlachteten, »Vorurteile« beseitigten und „neue
Wege“ gingen. Gerade auch
national-freiheitliche, patriotische und
konservative Parteien der BRD müßten sich doch
mal langsam entscheiden, ob sie den politischen
Erfolg oder weiterhin als politische Sektierer
auftreten wollten. „Leute, glaubt ihr wirklich
Strache und Co wären sich der Tragweite ihres
Handelns nicht bewußt?“, augenzwinkerte ein
Sympathisant in einem Forum. Andere wohlwollende
Kritiker überlegen, ob man ernsthaft davon
ausgehen müßte, daß sich die Jerusalem-Reisenden
wirklich haben kaufen lassen und nun gezielt
nationale Ideale verraten
würden. Alle diese Fragen und Überlegungen sind
berechtigt. Auf sie ist wie folgt einzugehen: Es
ist zweitrangig, ob die Unterzeichner und
Befürworter der Jerusalem-Erklärung tatsächlich
hier ihre ehrlichen Meinungen und Ansichten
widerspiegeln, oder ob die
Solidaritätsbekundungen gegenüber Israel aus
taktischer Natur entspringen. Ersteres wäre, wie
Hermann Graf feststellt, ein Zeichen politischer
Wankelmütigkeit und fehlender Ideale – letzteres
ein Anzeichen dafür, daß man bereit ist, sich um
des politischen Erfolges willen kaufen zu
lassen, koste es, was es wolle.
Seit der Jerusalemer Erklärung ist es deutlich,
daß eine konkrete Grundlage für festere
organisatorische Zusammenhänge zwischen
rechtspopulistischen Protestparteien und Israel
bzw. zionistischen Interessenvertretern
geschaffen worden ist, die bei der Europawahl
2014 konkret in einem Wahlbündnis münden wird,
um den heißbegehrten Fraktionsstatus im
Europaparlament zu erlangen. Auf Basis der
Jerusalemer Erklärung, so Andreas Thierry,
ehemaliger Schriftleiter des Magazins Volk in
Bewegung, sollte man dann aber weniger von einer
Euro-Rechten, sondern eher von einer
Judäo-Rechten sprechen.[xxxiv]
Diese sei „politikfähig“ und handle „im Sinne
des herrschenden Systems, im Sinne Israels und
der zionistischen Lobby an den weltweiten
Schalthebeln der Macht“.
Es gilt deutlich zu machen, daß diese
„Rechtsparteien“ sich der Nürnberger
Geschichtsschreibung ergeben haben, der
Umerziehung erlegen sind und damit ein Teil des
System geworden sind, dem sie früher zumindest
kritisch gegenüber zu stehen vorgaben. Es geht
ihnen allen Anschein darum, an die Futtertröge
des parlamentarischen Systems zu gelangen.
Parteien, wie die hier beschriebenen, sind für
den Erhalt des Systems von enormer, vielleicht
sogar von ausschlaggebender Bedeutung, denn sie
verhindern, daß die große Masse derer, die mit
dem herrschenden System bereits gebrochen haben,
sich neu formieren können. Diesen »modernen
Rechten« sind tiefergehende geistige und
weltanschauliche Bindungen unbekannt. Leider
nicht nur ihnen!
Betrachten wir es selbstkritisch: Namhafte
europäische Rechtsparteien, die allgemein lange
für national und patriotisch gehalten und damit
gewissermaßen in Systemgegnerschaft vermutet
wurden, reisen unverhohlen nach Israel und
sprechen öffentlich über gemeinsame Strategien
mit Zionisten, ohne daß zuhause ein Sturm der
Entrüstung losbrechen würde. Offenbar ist die
politische Gehirnwäsche so weit fortgeschritten,
daß die meisten Anhänger beim Schlachten
»heiliger Kühe« keinen Widerspruch mehr zu
früherer Ausrichtung sehen. Dieser Umstand ist
allerdings gleichzeitig ein desillusionierender
Hinweis darauf, wie erfolgreich sich die
Umerziehung nicht nur in die deutschen, sondern
europäischen Gehirne eingenistet hat und die
Europäer wie ein Nervengift lethargisch gemacht
hat und lähmt.
Der argentinische Publizist Carlos Dufour hatte
bereits 2009 zurecht bemängelt, daß sich im
nationalen Lager eine Verwirrung im
Theoretischen und Praktischen bemerkbar mache.
Da keine systematischen Schulungen stattfänden,
erfolge die ideologische Bildung vom Zufall
gelenkt, je nachdem, welche Bücher, Artikel oder
Pamphlete einem irgendwann in die Hände
gerieten. Die Vielheit von Patrioten,
Nationalisten, Konservativen, Sozialisten,
Revolutionären, Neurechten, europäischen
Nationalisten usw. innerhalb der gleichen Lager
– ja, innerhalb einer Partei, die sich als
weltanschauliche Partei definiere – zeuge nicht
von einem Reichtum an geistigen Strömungen,
sondern von einem Mangel an intellektueller
Disziplin. [xxxv]
An den Früchten sollt ihr sie erkennen
Der Antiislamismus – dies kann auf der
pro-zionistischen Internetseite PI entnommen und
aus den Reden eines Brinkmann, Wilders, Strache
und Konsorten abgelesen werden – ist eine global
gesteuerte und pro-israelische Kampagne. Die
früher belächelte Israel-Connection ist kein
Phantom. Für den Beleg der Existenz dieser
internationalen Verstrickung hatte es keiner
Verschwörungstheorien bedurft. Die eben nicht
neutral, sondern pro-zionistisch gehaltene
Jerusalemer Erklärung verdeutlicht, daß
»freiheitlich-konservative Oppositionsparteien«
sich zu willigen Helfershelfern des Staates
Israel und seiner Diaspora-Sektionen gemacht
haben. Sie stehen als eine Art Fünfte Kolonne im
Dienste des Zionismus, der den angeblichen
Islamismus – ähnlich wie den »Antisemitismus«,
als globales Feindbild nutzt, um jegliche
Opposition gegen Israel und gegen zionistische
Interessen zu bekämpfen.
Weltanschaulich gefestigte Kritiker gehen noch
einen Schritt weiter und resümieren, daß es
nunmehr deutlich geworden sei, daß (auch) diese
Parteien im Grunde von den Siegermächten
kontrolliert würden: Es sei ein altes und
ausgelutschtes Herrschaftskonzept, in einer
Scheindemokratie sowohl die machthabende Partei
als auch die Opposition zu kontrollieren.
Mangels einer politischen Alternative (wirkliche
Alternativen werden einfach kriminalisiert)
schließen sich auch gutmeinende und volkstreue
Menschen dieser ›Oppositions-Partei‹ an und
würden damit hinters Licht geführt. Hieraus
ließe sich die Schlußfolgerung ziehen, daß das
bestehende System auf dem Weg der
»parlamentarischen Demokratie« nicht zu
reformieren sei – in der Tat ein interessanter
Gedankengang, dessen Erörterung an dieser Stelle
den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen würde.
Die Judäo-Rechte wird in nächster Zukunft mehr
denn je zum Problem für all jene politischen
Parteien und Gruppierungen werden, denen es
nicht um Geld, Einfluß und persönliches
Fortkommen, sondern um tiefgreifende
Veränderungen zum Wohle von Volk und Heimat
geht. Ohne Frage werden sich die Akteure, denen
wie der FPÖ das Attest »koscher« erteilt worden
ist, verstärkt darum bemühen, sich in der
Öffentlichkeit als »national-konservatives
Sammelbecken« darzustellen. Die durchaus
berechtigte Annahme ist, daß die Millionen
Wähler, in dem Glauben ihre Stimme wäre nicht
vergeudet, sodann »rechts« wählen würden. Ein
Irrglauben! Denn tatsächlich würde ein solches
„Sammelbecken“ oder eine „Sarrazin-Partei“ den
vollkommen systemkonformen, staatserhaltenden
Kurs der Anpassung beibehalten und letzten Endes
die Zustände in der BRD nur zementieren.
Kann es für einen geschichtsbewußten,
volkstreuen Deutschen wirklich die Wahl zwischen
Islam und Zionismus geben? Der saarländische
Vorsitzende der NPD, Frank Franz, hat
diesbezüglich auf Facebook eine ebenso
lesenswerte wie treffende Antwort gegeben: „Ich
verstehe die verschrobene Debatte nicht. Ich bin
Deutscher. Meine Verbündeten sind die Deutschen.
Meine Feinde sind die Feinde meines Volkes und
meiner Heimat. Mehr habe ich dazu nicht zu
sagen.“ Und mehr ist dieser zukunftsweisenden
Weichenstellung auch nicht hinzuzufügen.
Dr. Claus Nordbruch
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